Colunistas

23/06/2016

Vergessen - von Eckhard Ernst Kupfer*

Wem ist es nicht schon einmal passiert, dass er einen wichtigen Termin hatte und aufgrund anderer Dinge diesen einfach vergaß?

Zum Beispiel den Geburtstag der Schwiegermutter, den Zahlungstermin für eine Rechnung, ein lang geplantes Treffen mit Freunden, oder einfach wo er die Lesebrille hingelegt hat.

Warum vergessen wir? Ist dies ein Defekt in unserem Gehirn oder nur ein natürlicher Vorgang, wenn wir den Teil des Gehirns, der das Erinnerungsvermögen kontrolliert überlasten? In der Medizin und besonders von Neurologen wird dieser nicht sehr logische Vorgang seit langem untersucht und diskutiert. Es wurden schon viele Versuche mit gesunden, kranken, alten und jungen Menschen durchgeführt. Man weiß auch ganz genau wo das Zentrum des Erinnerungsvermögens im Gehirn sitzt. Doch wie ist es zu erklären, dass ich gerade vor dem Computer sitze und mir die Worte fließend aus dem Gehirn sprudeln um jeglichen wichtigen Text zu schreiben, ich aber mich nicht an den Namen einer Person erinnern kann, mit der ich vor einer Woche den ganzen Tag zusammen war. Da kommt wieder die Frage auf Defekt oder Selektion?

Wir wissen heute, dass es zwei grundsätzlich unterschiedliche Abteilungen in unserem Gehirn gibt, das Kurzzeitgedächtnis, das jeden Augenblick speichert was um uns herum vorgeht und unseren Tagesablauf lenkt. Eigentlich ist das ein perfekt funktionierendes System, denn sonst wären wir im täglichen Leben ziemlich verloren. Warum geschieht es aber immer wieder, dass ich aus dem Haus gehe, einige Schritte mache und mir nicht mehr sicher bin ob ich abgeschlossen oder alle Lichter ausgeschaltet habe. Auf der anderen Seite macht es mir keine Mühe genau zu beschreiben wo ich als Kind gespielt habe, die Namen meiner Lehrer in der Grundschule aufzuzählen, den Augenblick zu reflektieren als ich mein erstes Fahrrad bekam. Das alles ist lange her, mit den Namen hatte ich schon lange nichts mehr zu tun. Neuropsychologen sagen, dass das Langzeitgedächtnis im Alter immer besser funktioniert, das Kurzzeit aber Lücken aufweisen kann. Das ist dann wohl genauso wie mit den Augen, im Alter wird die Weitsicht besser während zum Lesen die Linsen der Brille immer stärker werden müssen.

Doch zurück zum Vergessen, ob es nun eine Alterserscheinung ist oder nur ein selektiver Vorgang, es ist eine Unvollkommenheit oder Willkür des Organs Gehirn. Da wir aber in einer immer perfekteren und perfektionistischen Welt leben, ist Vergessen ein Manko, eine Schwäche. Deshalb testen einige Mediziner zusammen mit Informatikern, die Einpflanzung von chips in unser Gehirn, die dann auf Abruf ein Archiv aktivieren und uns in Bruchteilen von Sekunden die gewünschte Information liefern, damit wir sie aussprechen oder schreiben können. Eine herrliche Aussicht. Ob dies aber wirklich funktioniert und vielleicht sogar unser Gefühlsleben verändert, das ist bisher noch nicht bewiesen. Aber nachdem schon so viele Teile unseres Körpers ausgetauscht werden können, warum nicht auch eine elektronische Unterstützung für das Gehirn.


*Eckhard Ernst Kupfer ist deutscher Journalist, Direktor des Martius-Staden-Instituts in São Paulo, Herausgeber der Jahrbücher des Instituts, Mitautor von “Fünf Jahrhunderte deutsch-brasilianische Beziehungen”, Kommentator der Radiosendung AHAI – Die deutsche Stunde der Gemeinden > Block 05 und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br.
E-Mail: ekupfer@martiusstaden.org.br



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