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11/01/2017

Politische Gegenwart - von Eckhard Ernst Kupfer*

Es sind die Jungen, die die Welt verändern, ihnen gehört die Zukunft. Sie werden die Welt die nächsten fünfzig Jahre gestalten, nicht die Alten und nicht das Establishment. Bereits vor mehr als einhundert Jahren war es so, die Arbeiterbewegung kämpfte für mehr Gerechtigkeit an den Werkbänken, die ersten Feminstinnen errangen ihre Erfolge, sie wurden an Universitäten zugelassen, sie wurden nicht mehr zwangsverheiratet, sie konnten an ein selbstständiges Leben und einen eigenen Beruf denken. Die individuelle Freiheit wurde von Künstlern propagiert und teilweise vorgelebt.

Dann kam der erste Weltkrieg, der erst einmal Europa in Beschlag nahm. Aber die zwanziger Jahre ließen diesen Drang nach Freiheit und Individualität wieder aufleben, wenngleich es gesellschaftlich eher chaotisch zuging. Der einfache Bürger bemerkte wenig davon, er malochte immernoch, fühlte sich besonders in Deutschland vom Versailler Vertrag geknebelt und wollte doch nur Sicherheit und Fortschritt. Etwas schönes im Leben, das ihm dann Hitler versprach. Er war in Deutschland der einzige der aus der Weltwirtschaftskrise von 1929 Kapital schlug, weil er eine Visionen hatte und diese gut verkaufte. Es waren extreme Visionen, daran ließ er nie einen Zweifel, er versteckte seine Gedanken und Ideen nicht. Lange vorher hatte er sie in einem der erfolgreichsten Bücher, das am wenigsten gelesen wurde, bekannt gemacht. Wer es las wusste wohin die Richtung ging und konnte für sich die Konsequenzen ziehen. Aber die wenigsten rangen sich dazu durch. So kam es zur bisher größten Katastrophe der Menscheit, die aber angesagt war.

Danach begann die sogenannte: “Stunde null”. Die Welt musste völlig neu geordnet werden. Es gab Sieger und Besiegte, aber man musste ja doch wieder zusammen leben und miteinander reden und handeln. In vielen Ländern war der Aufbruch aber reaktionär, das Establishment, das überlebte nahm das Heft wieder in die Hand und wollte nach alten Regeln neu aufbauen. Das ging eine Weile gut, weil Aufbau etwas praktisches war, darüber musste nicht philosophiert werden, es war Tatkraft gefragt. Neue Städte, neue Fabriken, der Wunsch nach Sicherheit, Wohlstand und Fortschritt lebte wieder auf.

Erst als die nach dem großen Krieg Geborenen flügge wurden, begann das Hinterfragen, der Gesellschaft, der Konventionen der Werte. Teilweise wurden sie auf den Kopf gestellt, absolute Freiheit war das Motto. Man ging für seine Ansichten auf die Straße, bekämpfte den Moloch Staat und wollte eine andere Gesellschaft. Manche wurden radikal, die Mehrheit ging den Weg durch die Instanzen, veränderte viel, kam aber auch wieder dort an wo schon die früheren Generationen landeten: Im Establishment, oder wenigstens in der satten, saturierten Gesellschaft.

Heute sind die Demonstranten der 1968er-Bewegung Großmütter und Großväter und müssen mit ansehen wie ihre Enkel wieder rebellieren, teilweise gegen ihre Werte antreten und kämpfen, weil die neue Generation nicht sieht was Freiheit und Globalisierung für Fortschritte brachte. Sie leben ja darin und sind darin aufgewachsen. Was ihnen aber fehlt ist Identität, die Mehrheit sind keine Weltbürger geworden, obwohl sie die Möglichkeit hatten. Im Gegenteil, sie fühlen sich gefährdet und bedroht, von der Bewegung die die Globalisierung hervorrief, von der größten Völkerwanderung seit der Auswanderungswelle aus Europa im 19. Jahrhundert. Nur ist heute Europa das Ziel. Aber auch die USA nimmt Abschied davon der Polizist der Welt zu spielen. Amerika den Amerikanern, half eben einem Populisten ins Amt. Europa steht aber hilflos da, kann sich des Ansturms nicht erwehren, will nicht rassistisch sein und fremdenfeindlich, will den alten humanistischen Gedanken hochhalten, für den man jahrhunderte lang kämpfte. Aber es ist gerade ein Teil der jungen Generation der konträr reagiert, er sieht seine Sicherheit, seinen Wohlstand und seine Nationalität in Gefahr. Politische Führer die diese Lieder singen haben starken Zulauf.

Dabei wird ganz vergessen, dass andere große Nationen längst ihre Grenzen dicht gemacht haben, kein Immigrant wird ungewollt in Australien, Japan oder China aufgenommen. Das Problem hat heute Europa, das den Traum eines offenen Mehrvölkerstaates leben wollte und glaubte, dass darin die Zukunft liege. Wenn dem tatsächlich so wäre, dann muss dieses Ziel oder dieser Traum zumindest weit in die Zukunft verschoben werden, denn die junge Generation, der nun eben die Zukunft gehört, entwickelt sich erstaunlich konservativ und holt die alten Werte wieder aus der Mottenkiste.


*Eckhard Ernst Kupfer ist deutscher Journalist, Direktor des Martius-Staden-Instituts in São Paulo, Herausgeber der Jahrbücher des Instituts, Mitautor von “Fünf Jahrhunderte deutsch-brasilianische Beziehungen”, Kommentator der Radiosendung AHAI – Die deutsche Stunde der Gemeinden > Block 05 und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br.
E-Mail: ekupfer@martiusstaden.org.br



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