Colunistas

16/12/2016

Hausbesitzer in Deutschland - von Anja Dullius*

„Schaffe, schaffe, Häusle baue!“ Diese Schwäbische Redewendung beschreibt die Arbeitsmentalität der Schwaben, nämlich, möglichst viel zu arbeiten, damit man sich sein eigenes Haus bauen kann. Was im Süden Deutschlands durchaus ernst gemeint ist, wird im Norden eher belächelt.

Doch ist es trotz allem Fleiß nicht ganz so einfach, sich in Deutschland sein eigenes Haus, auch die eigenen Vier Wände genannt, leisten zu können. Für ein Familienhaus mit einer Durchschnittsgröße von 120 bis 140 Quadratmetern muss man mit rund 300.000 EUR rechnen, das Grundstück, also der Terreno ist damit schon eingerechnet. Das sind umgerechnet über eine Million Reais.

Damit wird schnell deutlich, dass es in Deutschland nicht möglich ist, dass jedermann sein eigenes Haus besitzen kann, im Gegensatz zu hier in Brasilien. Tatsächlich besitzen nur 44% aller Haushalte in Deutschland ein eigenes Haus. In Spanien dagegen sind es 83%, in Italien 69%. Eine Studie der Europäischen Zentralbank im Jahre 2013 zeigte zudem, dass demzufolge Südeuropäische Familien mehr Vermögen besitzen als Deutsche Familien, denn das liegt daran, dass Südeuropäer im Gegensatz zu den Deutschen Häuser besitzen.

Was ist also der Grund für diesen Unterschied? Warum haben die Deutschen sich nach dem Krieg nicht zu einer Nation von Hauseigentümer entwickelt? Der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe sieht dafür historische, politische und ökonomische Gründe: Es hat damit zu tun, dass Deutschland zwei Weltkriege verloren hat und viele Menschen durch Flucht, Enteignung oder hoher Inflation ihren Besitz und damit auch ihr Haus verloren haben oder verkaufen mussten. Zudem wurde nach Kriegsende vom Staat der Soziale Wohnungsbau gefördert, also das Vermieten von Wohnungen.  Und darüber hinaus hat ein Haus in Deutschland, im Gegensatz zu den Südeuropäischen Ländern, nicht die Funktion einer Altersvorsorge, also einer Art Sicherung des Lebensunterhalts im Alter, denn Deutschland hat bis jetzt noch ein gut funktionierendes Rentensystem.

Und damit entlasse ich Sie ins Wochenende und wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit,

Ihre Anja Dullius


*Anja Dullius ist Mikrobiologin aus dem Bodensee-Gebiet im Süden Deutschlands,  Kommentatorin der Radiosendung AHAI – Die deutsche Stunde der Gemeinden > Block 02 und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br. Sie lebt mit ihrem Ehemann Carlos und den drei Kindern in einer ausgeprägt deutschstämmigen Gemeinde bei Estrela, RS. Beruflich arbeitet sie als Wissenschaftlerin in einem Chemieunternehmen für ein Biogasprojekt, gefördert vom CNPq, entwickelt biotechnologische Produkte und ist an der Universität UNIVATES in Lajeado an einem Projekt zur Untersuchung von Milchsäurebakterien beteiligt. Email: dulliusanja@gmail.com.



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