Neues Jahr, Krisen wie gehabt - Eckhard Ernst Kupfer*

Kaum sind die Feiertage des Jahreswechsels vorüber, holt einen die Realität wieder ein. 

In der Sylvesternacht lebt man jedes Mal in der Illusion, dass das neue Jahr besser werde als das vergangene, und dass sich die gemachten Fehler nicht wiederholen. Doch die Wirklichkeit holt einen ganz schnell wieder ein, weil die guten Vorsätze oft garnicht zu uns und unserem Lebensstil oder unserer Persönlichkeit passen. Kurz, die Jahreszahl hat sich verändert, aber wir sind eben dieselben geblieben.

Genauso verhält es sich mit der Politik und den führenden Personen dieser Welt. Sie ändern sich nicht, nicht im Denken noch im Handeln und so rutscht der Globus von einer Krise in die andere.

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat sich von einem Terroristenangriff auf seine Botschaft im Krisenland Irak dazu hinreißen lassen den wichtigsten  Milizenführer des Irans von einer Drone töten zu lassen. Damit hat er Öl in das immernoch flammende Feuer im Nahen und Mittleren Osten gegossen. Wer einen Nationalhelden eliminiert wird zur Zielscheibe von emotionalen und unkontrollierten Racheaktionen.

Die Drohungen der iranischen Führung ließen nicht lange auf sich warten und treffen damit nicht nur den amerikanischen Präsidenten, der noch am ehesten geschützt wird, sondern das gesamte amerikanische Volk und auch seine politischen Partnerstaaten. Mit anderen Worten, kaum hat das Jahr begonnen, geht schon wieder die Angst vor einem brutalen Terroranschlag um, der dann noch weitere auslösen und sich in kurzer Zeit zu einem gefährlichen Krieg ausweiten könnte.

Es scheint pervers zu sein, aber vielleicht ist es gerade das was Donald Trump erreichen will, einmal um von dem Impeachment-Verfahren gegen ihn abzulenken und außerdem sich als alternativloser Führer für die Wiederwahl im November zu empfehlen.

Es ist traurig und nicht zu begreifen, mit welcher Wollust gewisse Politiker mit dem Feuer spielen und daran Spaß haben die Welt immer wieder mit Kriegen zu überschütten.

Das Jahr 2020 hätte einen besseren Start verdient.


*Eckhard Ernst Kupfer ist deutscher Journalist, Direktor des Martius-Staden-Instituts in São Paulo, Herausgeber der Jahrbücher des Instituts, Mitautor von “Fünf Jahrhunderte deutsch-brasilianische Beziehungen”, Kommentator der Radiosendung AHAI – Die deutsche Stunde der Gemeinden > Block 05 und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br – Notícias.
E-Mail: ekupfer@martiusstaden.org.br
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