Die wirtschaftliche Nutzung des Amazonasgebiets - von Ekhard Ernst Kupfer*

Abstract: Wenn man heute von wirtschaftlicher Nutzung im Amazonasgebiet spricht, wird schnell an Rodung zum Sojaanbau und die Rinderhaltung gedacht. Dazu kommen noch der Minenabbau von Erz, Aluminium und so weiter. 

Schnell bilden sich dann zwei Lager: Diejenigen welche nur an Wirtschaftlichkeit denken, dazu gehört die derzeitige Regierung und auch viele Unternehmer und Investoren sowie auf der Gegenseite die Umwelt- und Klimaschützer.

Um jedoch ein Gebiet so gross wie Europa und von 27 Millionen Menschen bewohnt sowohl zu entwickeln als auch die Natur zu schützen bedarf es ausgewogenen Plänen und einer Integrationsfähigkeit, die derzeit schwer zu erreichen ist. Es gibt jedoch Ansätze, die vielversprechend sind und von allen Beteiligten mit Engagement verfolgt werden sollten, damit einmal die Natur erhalten bleibt und auf der anderen Seite die dort lebenden Menschen aus ihrer Armut und Abhängikeit herausfinden.

Es gibt heute Studiengruppen die unterstützt von den Vereinten Nation an Projekten arbeiten um die Biowirtschaft zu entwickeln. Dies bedeutet, dass der Naturreichtum einmal umweltfreundlich genutzt wird und dass das Amazonasgebiet nicht nur ein Lieferant von Rohprodukten bleiben soll. Die dort wachsenden Pflanzen und ihre Früchte gehen heute zum grossen Teil als Rohprodukte auf  den Inlandsmarkt oder werden gar weltweit vermarktet.

Dem Anbauer in den weiten Flächen des Amazonas bleibt von dieser Entwicklungskette nur ein kleiner Anteil, der kaum zum Überleben reicht. Wenn jedoch die Verarbeitung, und sei es nur die versandgerechte Lagerung und Verpackung bereits vor Ort stattfinden würde, könnte dies bereits Mehrwert und Arbeitsplätze schaffen. Noch besser wäre jedoch eine Weiterverarbeitung von Produkten wie Açaí und Guaraná ebenfalls im Anbaugebiet. Damit bliebe ein grösserer Teil der Wertschöpfung in der Region.

Es gibt heute bereits verschiedene Initiativen die sich um die umweltfreundliche wirtschaftliche Nutzung der Amazonasregion kümmern, doch so lange der Staat diese Anstrengungen nicht fördert und begleitet wird es ein langer und beschwerlicher Weg bleiben. Die Menschen aber die in den weiten Naturgebieten leben, oft Tagesreisen entfernt von der nächsten Versorgungsstation haben keine Zeit um sich sozial weiterzuentwickeln und damit der weitverbreiteten Armut zu entgehen.

Dieser Tage erhielt ich ein Video, das davon berichtet, dass das brasilianische Militär in einer Teilstrecke des Amazonasflusses zwischen Coari und Tefé eine optische Leitung versenkt hat, die gewährt, dass 52 Ortschaften mit Internet versorgt werden können. Dies ist sicher ein wichtiger Schritt zur wirtschftlichen und sozialen Verbindung, die dem oberen Amazonasgebiet neue Perspektiven geben kann.