Die Kulturpolitk der Regierung - von Eckhard Ernst Kupfer*

Bisher hatte Präsident Bolsonaro mit seiner Kulturpolitik wenig Glück. Er wählte immer die falschen aus. Vielleicht wird es aber nun im 2. Jahr besser.

Kultur ist für eine brasilianische Regierung nicht das wichtigste Ministerium, deshalb wurde es bei der Neuordnung auch als Sekretariat herabgestuft und mittlerweile dem Touristikminister unterstellt. Darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein. Aber es kommt mehr darauf an was die Verantwortlichen für Kultur bewegen können und welche Mittel sie dazu zur Verfügung haben.

Ohne polemisch zu sein, kann man feststellen, dass der Präsident darin bisher keine glückliche Hand hatte. Es kann ihm jedoch nicht verborgen geblieben sein, dass Brasilien kulturell ein reiches und vielschichtiges Land ist und es großer Anstrengungen bedarf, diese vielen unterschiedlichen Richtungen und Installationen gut und wirkungsvoll zu administrieren.

Zur Kulturverwaltung gehören Museen, Konzertsäle und ihre Mitarbeiter, die Ancine für die Verwaltung von Filmproduktionen zuständig, das Iphan das sich um den Erhalt der historischen Kulturstätten kümmern soll, die Staatsbibliotheken und eine ganze Reihe von staatlichen Kulturstiftungen. Dies alles zu steuern, bedarf einer erfahrenen Gruppe von Personen, die sowohl kulturell als auch adminstrativ reichlich Erfahrung mitbringen.

Ganz wichtig ist aber eine offene Einstellung und eine gewisse Neutralität, denn Kultur ist sehr facettenreich. Dies bedeutet, dass Kulturverantwortliche alle Richtungen und Stile gleichmäßig zu betreuen und zu unterstützen haben und nicht nach persönlicher Vorliebe vorgehen sollten. Dies musste man aber im ersten Jahr der neuen Regierung vermissen. Erfahrene Mitarbeiter wurden gemoppt und entlassen und unerfahrene Personen mit starken Vorurteilen und zweifelhafter Weltanschaung mit verantwortlichen Positionen  betraut.

Der Höhepunkt war schließlich, als der  erste Staatssekretär, Roberto Alvim, in einer Videoaufzeichnung an die Auftritte des gefährlichen aber erfolgreichen Propagandaministers der Hitlerregierung, Josef Goebbels, erinnerte. Ein Aufschrei ging durch das Land, ja sogar in Windgeschwindigkeit um die Welt und dem Präsidenten blieb nicht anders übrig als seinem vorher so gelobten Adjudanten die rote Karte zu zeigen.

Damit ist viel beschädigt worden. Es bedarf nun eines klugen Schachzugs um der Kulturpolitik wieder eine gewisse Anerkennung in der Gesellschaft zu geben. Mal sehen ob dies gelingen wird.


*Eckhard Ernst Kupfer ist deutscher Journalist, Direktor des Martius-Staden-Instituts in São Paulo, Herausgeber der Jahrbücher des Instituts, Mitautor von “Fünf Jahrhunderte deutsch-brasilianische Beziehungen”, Kommentator der Radiosendung AHAI – Die deutsche Stunde der Gemeinden > Block 05 und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br – Notícias.
E-Mail: ekupfer@martiusstaden.org.br
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