NUR ESEL UND WEISSE GEHEN IN DIE SONNE

NUR ESEL UND WEISSE GEHEN IN DIE SONNE

So heißt ein Buch von Günter Canzler, welches 1959 veröffentlicht wurde und in dem der Autor seine Auswanderung nach dem Krieg nach Venezuela und seine Heimkehr nach Deutschland beschrieb. In Anlehnung an dieses Buch wollte ich eigentlich als Titel dieses Aufsatzes NUR IGNORANTEN UND MORALISTEN INVESTIEREN NICHT IN BRASILIEN wählen, aber das war mir dann doch zu dick aufgetragen. Wer Sinn für trockenen Humor hat, sollte übrigens beim Lesen des erwähnten Buches auf den Anfang und das Ende achten. Beim Verlassen seiner Heimat per Schiff vom Überseekai in Hamburg aus schwitzte der Autor bei hochsommerlichen Temperaturen, bei seiner Ankunft einige Jahre später am selben Kai und auch im Hochsommer fror er. So verschieben sich die Perspektiven.

Aber zurück zu Brasilien. Als ich ab 1997 den Firmenpool Brasilien aufbaute und leitete, zunächst für die IHK GmbH in Bonn und dann für die IHK Essen, konnte ich mich vor Brasilienbegeisterten kaum retten. Mehrmals im Jahr hielt ich in Deutschland jeweils eine Woche lang Sprechstunden ab und informierte manchmal in Einzelgesprächen bis zu 12 Geschäftsleute täglich, die ein Brasiliengeschäft aufbauen wollten, über ihre Möglichkeiten. Damals war Deutschland nach den USA das Land mit den höchsten ausländischen Investitionen in Brasilien, sichtbar an ca. 1.500 Niederlassungen deutscher Firmen in Brasilien, von denen die meisten Mitglied der größten AHK Deutschlands sind, nämlich der von São Paulo. Heute ist der Firmenpool nur noch Geschichte. Von allen Firmenpools, die damals von den IHKs in NRW unterhalten wurde, überlebte der von Brasilien am längsten, aber zum Schluß kamen pro Deutschlandbesuch von mir nur noch so wenig Interessenten, dass ich keinen vollen Beratungstag mehr füllen konnte. Der Grund dafür? Eine klare Interessensverschiebung, das Geschäft mit China und die Möglichkeit, in Osteuropa billig zu fertigen, nahm dem Firmenpool Brasilien die Kundschaft weg.

Aber auch ohne Firmenpool hatte ich genug zu tun, denn gut informierte Geschäftsleute kamen immer noch Brasilien und beauftragten meine EUROLATINA mit der Gründung und Verwaltung ihrer brasilianischen Niederlassungen. Und wer sein Risiko minimieren wollte, bat uns um Markt-, Durchführbarkeits- und Standortstudien oder ließ seine Produkte von uns in Brasilien verkaufen. Das machten wir dann nicht als einfache Handelsvertretung, sondern stellten jeweils einen Verkäufer ein, der exklusiv für unseren Kunden dessen Produkte verkaufte. Das hat den Vorteil, dass der Kunde keine eigene Niederlassung unterhalten muss, aber trotzdem einen weisungsgebundenen Verkäufer ausschließlich für sich einsetzen kann. Eine weitere unserer Dienstleistungen blieb ebenfalls gefragt, die Betreuung defizitärer Firmen in Brasilien, deren Gesellschafter in Deutschland sich aufgrund der Entfernung und der Sprachbarriere nicht ausreichend um ihr Brasilienengagement kümmern konnten.

Trotzdem ist Brasilien für viele potentielle Investoren immer noch mit einem großen Fragezeichen versehen und deswegen war ich versucht, NUR IGNORANTEN UND MORALISTEN INVESTIEREN NICHT IN BRASILIEN als Überschrift zu wählen. Gut, gegen Moralisten kann man nichts machen. Wer seine Entscheidung über ein Brasilienengagement davon abhängig macht, ob der amtierende Staatspräsident zum Beispiel Impfgegner ist oder vermeintlicher Regenwaldabfackler, dem ist in meinen Augen nicht zu helfen. Vor allem deshalb nicht, weil dieselben Leute Lula, der schon in seiner ersten Amtszeit nur durch Stimmenkauf regieren konnte und in seiner zweiten einen der weltweit größten Korruptionsskandale auslöste, nach wie vor hoffieren. Deswegen halte nicht nur ich diese Moralisten für Heuchler. Was übrigens auch für Politiker wie den ehemaligen Gouverneur von São Paulo, Alckmin, gilt, der aus der von ihm mitgegründeten sozialdemokratischen Partei austrat, um jetzt als Kandidat für den Vizepräsidenten in einer eventuellen Regierung Lula aufzutreten, weil er bei seinen sozialdemokratischen Parteigenossen keine Chance auf eine Nominierung hatte. Als Alckmin Präsident werden wollte und gegen Lula verlor, wetterte er noch gegen diesen: “Nach dem er Brasilien ruiniert hat, will Lula an den Ort des Verbrechens zurückkehren“.

Am 23. März 2022, als Alckmin in die Sozialistische Partei Brasiliens – PSB, aufgenommen wurde, klang es ganz anders aus seinem Munde: Präsident Lula ist heute derjenige, der das Gefühl der Hoffnung des brasilianischen Volkes am besten widerspiegelt und interpretiert. Er repräsentiert die Demokratie selbst. Das ist an Heuchelei kaum noch zu überbieten und zeigt, dass es Alckmin nur darum geht, wieder ein gut dotiertes Amt zu übernehmen. Wenn die Wähler dies nicht erkennen, haben sie das daraus resultierende Ergebnis verdient.

Ich erinnere mich noch gut an eine Fernsehdebatte zwischen Alckim und Dilma, damals beide Kandidaten für das Präsidentenamt. Dilma griff wie heute Lula die Privatisierung von Staatsbetrieben an und Alckmin wusste nicht, wie er diese verteidigen sollte, obwohl sein damaliger Parteifreund Fernando Henrique Cardoso als Staatspräsident das größte Privatisierungsprogramm Brasiliens durchgezogen hatte, bevor er von Lula abgelöst wurde und dieser seine Arbeit als “verdammte Erbschaft” abqualifizierte. Ein sehr schwaches Bild, was Alckmin damals abgegeben hat.

Alckmin schirmt die Sonne mit einem Sieb ab, wie man in Brasilien sagt, wenn er meint, dass Bolsonaro keine Anhänger mehr hat. Am 15. April 2022 führte der amtierende Präsident eine Motorradkolonne an, die von São Paulo nach Americana fuhr. Da auf dieser Strecke Mautstellen vorhanden sind, konnte man die Anzahl der Motorräder genau feststellen, es waren über 3.700. Im Internet wurde dazu dieses Foto publiziert:

Kurz danach wurde diese Version über die sozialen Medien verbreitet:

Kein Wunder, dass Richter des Obersten Bundesgerichtshofes Brasiliens den Anhängern von Bolsonaro die Benutzung von WhatsApp erschweren. Am 21.4.2022 wurde der bisherige Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen den Richtern und dem Präsidenten erreicht. Dem Kongressabgeordnete Daniel Silveira, der den Präsidenten unterstützt und wegen verbaler Angriffe gegen “die Demokratie und die obersten Bundesrichter” schon einige Monate ohne Urteil inhaftiert war, dann mit Auflagen und elektronischer Fußfessel freigelassen und anschließend zu über 8 Jahren Freiheitsentzug verurteilt wurde, wurde diese Strafe unverzüglich vom Präsidenten erlassen. Dieser begründete diesen Gnadenakt mit der durch die Verfassung garantierte Redefreiheit und Immunität des Abgeordneten. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen und je näher der Wahltermin rückt, desto härter werden die Bandagen, die der mehrheitlich mit Lula symphatisierende Gerichtshof und Bolsonaro benutzen, Lula natürlich eingeschlossen.

Aber widmen wir uns lieber den Chancen, die Brasilien bietet und die viele ausländische Geschäftsleute nicht wahrnehmen, weil sie diese nicht kennen und mangels Interesse und Voreingenommenheit auch nicht kennenlernen werden, wenn man sie mit der Nase darauf stößt. Fangen wir dabei mit Umweltschutzfragen an, ein Thema, bei dem sofort ein Aufschrei durch den Blätterwald hallt, denn bekanntermaßen fackelt ja Bolsonaro den Amazonasurwald ab und läßt Garimpeiros ungehemmt in Indioreservaten nach Gold schürfen und dabei die Umwelt mit Quecksilber vergiften. Zunächst einige Fakten zum Stand des Umweltschutzes in Brasilien und anschließend Hinweise zu den Vorwürfen, die Bolsonaro gemacht werden:

Fangen wir mit der Nutzung erneuerbarer Energien an. So sah die Elektroenergiematrix Brasiliens und der Welt vor zwei Jahren aus:

Dazu die Werte in Tabellenform:

Bitte beachten Sie, dass die Elektroenergiematrix nicht mit der Energiematrix eines Landes verwechselt werden darf; letztere umfasst alle Energiequellen, also auch den Treibstoff für Verbrennungsmotoren und das Feuerholz für Pizzaöfen, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Wie man sieht, ist Brasilien hier weltführend, was die Nutzung erneuerbarer Energien angeht. Trotzdem gibt es viele Geschäftsmöglichkeiten in diesem Bereich. So konnte man unter Braskem hat einen Vertrag über die Abnahme von Windenergie mit EDF Renewables do Brasil unterzeichnet am 14.4.2022 im VALOR ECONÔMICO Folgendes lesen: “Der Vertrag trägt dazu bei, den Bau eines neuen Windkraftkomplexes im Südwesten Bahias zu ermöglichen, der zur Installation neuer erneuerbarer Energiequellen in Brasilien beiträgt, und garantiert dem Unternehmen die Energieversorgung für einen Zeitraum von 20 Jahren, beginnend im Jahr 2024”, so Braskem.

Das Unternehmen betont, dass dies der fünfte langfristige Vertrag über erneuerbare Energien aus Wind- oder Solarenergie ist, den es innerhalb von vier Jahren unterzeichnet hat, und der zweite mit EDF Renewables, der mehr als 150 durchschnittliche Megawatt Energie aus diesen Quellen umfasst, die etwa 30 % des in Brasilien gekauften Stromportfolios ausmachen.

Der Erklärung zufolge bringen die Verträge Braskem in die Nähe der geschätzten 2,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Emissionen, die allein durch diese Verträge vermieden werden, und tragen dazu bei, das Ziel einer 15-prozentigen Reduzierung der Scope-1- und Scope-2-Treibhausgasemissionen bis 2030 und der Kohlenstoffneutralität bis 2050 zu erreichen.

Am 15.4.2022 brachte VALOR ECONÔMICO diese Überschrift: Enel plant Investitionen in Höhe von 9,8 Milliarden Euro in Lateinamerika, davon 50% allein in Brasilien. Im Detail schrieb die Zeitung: Wenn die Geschäfte gut laufen, dürfte der Anteil des Landes an den Investitionen in der Region laut Francesco Starace, (CEO der italienischen Gruppe), in zehn Jahren auf 60 bis 70 % steigen, da Brasilien ein großes Wachstumspotenzial hat. “Es gibt keine Länder mit diesen Bedingungen, in Europa haben wir kein demografisches Wachstum”, sagte Starace auf einer Unternehmensveranstaltung in Sao Paulo. Der Betrag ist Teil des globalen Investitionsplans von 170 Milliarden Euro bis 2030. Der Grund dafür ist, dass Brasilien mit seinen guten Bedingungen für die Erzeugung von Wind- und Solarenergie günstige Voraussetzungen für das Geschäft des Unternehmens bietet. Heute entfallen auf das Land 40 % des Wachstums von Enel im Bereich der erneuerbaren Energien in Lateinamerika. 

Über die Nutzung der Sonnennergie per Photovoltaik hatte ich schon ausführlich in einem früheren Newsletter geschrieben, mehr können Sie im PORTAL SOLAR lesen. Die Entwicklungsbank BNDES schrieb ebenfalls darüber und zusätzlich auch über die Nutzung der Sonnenstrahlen per Wärmetauscher zum Erhitzen von Wasser. Bosch war schon vor ca. 40 Jahren Vorreiter und erwärmte das Duschwasser für die Mitarbeiter im Werk Campinas nicht elektrisch, sondern durch die Infrarotstrahlung der Sonne. VALOR ECONÔMICO schrieb am 15.4.2022 über Solarheizungen: Die Energiekrise, die die Stromrechnungen in die Höhe getrieben hat, und das Home Office, das die Bewohner dazu veranlasst hat, mehr in ihre Häuser zu investieren, waren zwei der Hauptgründe für den Anstieg der Produktion von Solarheizungen im Jahr 2021. Nach Angaben des brasilianischen Verbands für Solarthermie (Abrasol) betrug der Anstieg 28 % gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt wurden 1,81 Millionen Quadratmeter Solarheizungen produziert, die als Ersatz für elektrische Duschen eingesetzt werden. Die Branche sieht auch die Beteiligung des Bausektors, der 2021 einen neuen Expansionszyklus erlebte, als weiteren Faktor für die Umsatzsteigerung. Die Region Südost war für 54 % der Verkäufe von Solarheizungen verantwortlich. Für 2022 rechnet der Sektor mit einem Wachstum von mindestens 30 %. Schade, dass deutsche Firmen sich aus dem Geschäft der Sonnenergie zurückgezogen haben.

Gute Geschäfte können aber nach wie vor auch im Erdöl- und Erdgasbereich gemacht werden. Am 17.4.2022 berichtete der O ESTADO DE SÃO PAULO über Firmen mittlerer Größe, die gute Gewinne in diesem Sektor erzielten:

PetroRio: Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 4,4 Mrd. R$, was einem Anstieg von 131 % im Vergleich zu 2020 entspricht. Was jedoch die Aufmerksamkeit der Analysten auf sich zog, war der Gewinnzuwachs von 152 % auf 1,3 Milliarden R$. Das Unternehmen wird vom Finanzmarkt dafür gelobt, dass es gelungen ist, die Produktionskosten pro Barrel um 20 % zu senken.

3R Petroleum: Das Ergebnis des Zusammenschlusses der Unternehmen 3R und Ouro Preto, debütierte 2020 auf B3 und hat sich seitdem zu einer Akquisitionsmaschine entwickelt. Drei Bohrungen sind bereits in Betrieb, sechs weitere werden in den kommenden Jahren in Betrieb genommen. Von 2020 bis 2021 hat das Unternehmen seinen Umsatz mehr als verdreifacht und schloss das Jahr mit 727,8 Millionen R$ ab.

Enauta: Im vergangenen Jahr erzielte die Ölgesellschaft mit 1,4 Mrd. R$ den höchsten Gewinn in ihrer Geschichte, eine Zahl, die Enauta zum höchsten Zuwachs unter den an der brasilianischen Börse notierten Unternehmen des Sektors verhalf; wie seine Konkurrenten sollte es weiterhin in die Geschäftsexpansion investieren

Natürlich gibt es nicht viele Erdölgesellschaften in Deutschland, die diesen dreien Konkurrenz in Brasilien machen könnten. Aber es gibt sehr viele kleinere und mittlere Firmen, die als Zulieferer und Dienstleister für die drei genannten und ähnliche Unternehmen gutes Geld verdienen könnten. Wobei zur Ehrenrettung gesagt werden muss, dass etliche deutsche Firmen aus diesem Bereich bereits in Brasilien tätig sind und sehr gelitten haben, als es der Petrobrás unter der PT-Regierung schlecht ging.

FAZIT: Der Energiesektor ist in Brasilien eine Zukunftsbranche, deren Gegenwart schon längst begonnen hat.

Ein weiteres vielversprechendes Betätigungsfeld ist der Umweltsektor und hier vor allem die Recyclingbranche. Das Recycling von zum Beispiel 1 Tonne Aluminium spart 6 Tonnen Bauxit und 9 Tonnen CO2-Emissionen. Weltweit werden durch das Recycling von Aluminium jedes Jahr über 100 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Zum Aluminiumrecycling eine Daten (Quellen: revistagalileu.globo.com und www.1papacaio.com.br):

  • Eine Aluminiumdose wiegt nur 14,5 Gramm.
  • 67 Aluminiumdosen entsprechen 1 kg.
  • Je 1.000 kg recyceltes Aluminium bedeutet 5.000 kg eingespartes Roherz (Bauxit).
  • Brasilien verfügt über eines der drei größten Bauxitvorkommen der Welt.
  • Um Aluminium zu recyceln, werden nur 5 % der bei der Gewinnung eingesetzten Energie verbraucht, was ausreicht, um 48 Haushalte mit Licht zu versorgen.
  • Am gesamten Aluminiumrecyclingprozess in Brasilien sind mehr als 2.000 Unternehmen beteiligt.
  • In Brasilien werden 51 Aluminiumdosen pro Einwohner und Jahr verbraucht, in den Vereinigten Staaten sind es 375 Dosen pro Einwohner.
  • Eine Aluminiumdose braucht über 100 Jahre, um sich in der Natur zu zersetzen.

Obwohl das Recycling in Brasilien keine durchgehend gesetzliche Forderung ist, werden ca. 98% des produzierten Aluminiums in Brasilien recycelt und machen Brasilien damit zum Weltmeister unter diesen Ländern! Aber nicht nur beim Aluminium hat Brasilien stolze Zahlen vorzuweisen, auch beim Recyceln von PET-Flaschen ist das Land vorbildlich. Der weltgrößte Abfüller von Coca Cola – Produkten, die Coca – Cola FEMSA Brasil, unterhält seit 2019 in Osasco ein Zentrum für das Sammeln von geleerten PET-Flaschen. 700.000 davon werden dort täglich angeliefert und über 100 Millionen sind bereits in nur einem Jahr durch die Pressen von SustentaPET gelaufen.

Die Regierung Bolsonaro hat am 13.4.2022 Recycling-Kreditzertifikate eingeführt. Für einige Produktarten wie z.B. Natriumdampflampen ist nämlich die Umkehrlogistik bereits vorgeschrieben, d.h. Sammlung und Entsorgung nach Gebrauch müssen bereits beim Verkauf (oder sogar schon bei einem eventuellem Import) garantiert und bezahlt werden. In diesem Bereich habe ich praktische Erfahrung sammeln können, weil wir für die Leiter Guido Zimmer und Axel Kietz unseres EUROLATINA-Büros München in São Paulo die Firma B3 GERMANY gegründet haben, die Lampen und Leuchten vor allem für die Beleuchtung von Straßen und Plätzen importiert. Über die die Mutterfirma B3 ENGINEERING in Deutschland werden solche Projekte vorher lichttechnisch ausgelegt und optimiert, die zugehörigen Produkte werden dann projektspezifisch hergestellt. Brasilien befindet sich gerade in der Übergangsphase von Metalldampflampen zu LED-Lampen. Der Stadteil Interlagos von São Paulo, in dem ich (und der Oberbürgermeister) wohne, hat den Tausch fast abgeschlossen.

Das zugehörige Programm heißt Recicla+. Das Investitionspotenzial im Recyclingsektor beträgt nach Schätzungen der brasilianischen Regierung 14 Mrd. R$ jährlich. Bei der Berechnung wurde berücksichtigt, wie viel dem Land jährlich verloren geht, weil ein großer Teil der nach dem Verbrauch weggeworfenen Materialien und Verpackungen noch nicht recycelt wird.Das neue Ziel besteht darin, in den nächsten zwei Jahren Deponien zu beseitigen und bis 2040 48,1 % der Siedlungsabfälle zu recyceln oder wiederzuverwenden. Die Prognose sieht vor, dass 20 % der trockenen Wertstoffe und 13,5 % der organischen Fraktion verwertet werden. Diese Institutionen ABAL, ABEAÇO, ABIPET, ABIPLAST, ABIVIDRO, ABRALATAS, ABRELPE und IBÁ haben zusammen mit dem Umwelt- und dem Wirschaftsministerium an der neuen Verordnung mitgewirkt.

Das Umweltbewusstsein der Brasilianer zeigt sich auch an neuartigen Haarpflegeprodukten wie Shampoos und Conditioners, die nicht mehr flüssig, sondern in Riegelform angeboten werden. Feststoffkosmetika sind meist frei von Chemieprodukten und Konservierungsmitteln und hoch konzentriert, weil weniger Wasser zu ihrer Herstellung benötigt wird. Kleine Firmen wie Sapé, UneVie und The Green Concept haben damit Erfolg und erzielen hohe Wachstumsraten. Ein weitere Vorteil der Riegelform ist der geringe Aufwand an Verpackungsmaterial, da ein Riegel den gleichen Effekt wie der Inhalt von mehreren Flaschen erzielt. Der Kosten – Nutzen – Effekt ist naturgemäß auch höher als bei flüssigen Haarpflegemitteln.

Wie wichtig die Reduzierung von Verpackungsmaterial ist, zeigen die rasante Entwicklung des Marktes. 110 Mrd. R$ betrug der Wert des produzierten Verpackungsmaterials in 2021, gegenüber 2020 ein Zuwachs von 31%. Der größte Anteil am Produktionswert entfällt mit 37,1 % auf Kunststoffe, gefolgt von Papier, Pappe und Wellpappe mit zusammen 31,7 %, Metall mit 21,4 %, Glas mit 4,2 %, Textilien für Verpackungen mit 3,7 % und Holz mit 1,9 %. Das ist sehr gut für die Hersteller von Verpackungen, aber sehr schlecht für die Umwelt. Wer hier mit innovativen Ideen die Menge des benötigten Verpackungsmaterials reduzieren kann oder mit seinen Produkten hilft, das Verpackungsmaterial nach Gebrauch sinnvoll aufzubereiten, sei es durch Recycling, Kompostierung oder Verbrennung zur Energiegewinnung, ist im Geschäft. EUROLATINA verkauft z.B. Zerkleinerer von ERDWICH, Brikettierpressen von RUF und C. F. NIELSEN sowie Filteranlagen von POLO in Brasilien. Außerdem vertreiben wir hier die Maschinen von MST, mit denen Erosionsschutzmatten zur Abdeckung und Beflanzung von Böschungen aus Naturfasern hergestellt werden, ein weiterer Beitrag zum Umweltschutz.

FAZIT: Der Umweltschutz ist in Brasilien nicht nur eine Laune von Naturliebhabern, sondern eine Notwendigkeit, die von den meisten Brasilianern unterstützt wird und die obendrein noch hervorragende Geschäftsmöglichkeiten bietet.

Ich hatte eingangs geschrieben, dass ich zu den Vorwürfen gegen Bolsonaro Stellung nehmen würde. Zur Abfackelung des Regenwaldes habe ich schon vielfach hier bei LinkedIn geschrieben. Es ist wahr, dass Brasiliens Regenwald vor allem im Amazonasgebiet bedroht ist, es ist aber auch wahr, dass andere Regierungen wie z.B. die Boliviens aktiv zur Brandrodung aufgerufen haben, was Bolsonaro nie getan hat. Lesen Sie bitte dazu in meinem Blog BRASILIEN AKTUELL meinen Beitrag DEM TAGESSPIEGEL MUSS WIDERSPROCHEN WERDEN.

Die Bekämpfung der illegalen Goldschürfung wurde unlängst weltweit im Fernsehen gezeigt, wo man sehen konnte, wie die Schürfboote der Garimpeiros von der Bundespolizei beschlagnahmt und teilweise verbrannt wurden.

Die Rolle Brasiliens als “Welternährer” ist bekannt. Mit dem Ausfall der Ukraine als Kornkammer der Welt wird die Rolle Brasiliens im Nahrungsmittelsektor immer wichtiger. Das Land kann heute schon problemlos über eine Milliarde Menschen mit seinen Protein-, Ölfrucht- und Getreideexporten ernähren. Da durch den Überfall Russlands auf die Ukraine auch die Versorgung mit Sonnenblumenöl zum Erliegen gekommen ist, kann Brasilien mit anderen Ölsorten einspringen. Obwohl Brasilien ca. 90% seiner Düngemittel importiert, könnte das Land auch hier die Welt versorgen, denn im Amazonasgebiet sind genug Rohstoffe für die Deckung des eigenen Düngemittelbedarfes und für einen Export vorhanden. Diese Vorkommen werden nur nicht genutzt, weil dies politisch nicht korrekt ist und von regierungsfeindlichen Gruppen seit Jahren verhindert wird, da sie in der Nähe von Indioreservaten liegen. Brasiliens Landwirtschaft ist hochmodern, die Landwirte investieren kontinuierlich und die Produktivität steigt seit vielen Jahren in einem Ausmaß, von dem die hiesige Industrie nur träumen kann.

FAZIT: Das Potenzial der Landwirtschaft ist in Brasilien noch lange nicht ausgereizt, auch hier bieten sich vielfältige lukrative Geschäftsmöglichkeiten, die Lula mit seiner Landlosenbewegung MST hoffentlich nicht stören wird / kann.

Brasilien ist heut der fünfundzwanziggrößte Warenexporteur der Welt, bei den Importeuren liegt Brasilien auf Platz 27. 2021 konnte das Land gegenüber dem Vorjahr bei den Exporten 34% zulegen und bei dem Importen 38%. Und das trotz der COVID-19-Pandemie. Dass die Regierung Bolsonaro hier einen Anteil daran hat, wird natürlich von seinen Gegnern vehement abgestritten.

Es gibt noch viele hier unerwähnte Möglichkeiten, in Brasilien gute Geschäfte zu machen. Als Stichworte erwähne ich Digitalisierung, KI-Systeme z.B. für die Logistik, Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungen, Aus- und Weiterbildung, Infrastruktur, E-Mobilität u.v.a.m.

Zum Abschluss noch ein Wort bzw. ein Bild in eigener Sache. Wenn Sie nach Brasilien kommen wollen oder schon hier sind und Probleme haben, sprechen Sie mit mir und meinen Partnern Holger Sax und Gunnar Johansen. Wir haben ein Rundum-Sorglos-Programm für Brasiliengeschäfte für Sie:

Und mit unseren Partnern in Südamerika können wir Ihnen Ähnliches in Argentinien, Peru und Kolumbien bieten und in Nordamerika auch in Mexiko.

Deixe um comentário

O seu endereço de e-mail não será publicado. Campos obrigatórios são marcados com *