Völkerwanderung im 21. Jahrhundert – von Eckhard Ernst Kupfer*

Denken wir nur an die Zeit nach Ende des 2. Weltkriegs, Millionen Menschen flüchteten vor der Bedrohung durch die neuen Machthaber im Osten Europas, vielen ging es dabei nur ums nackte Überleben. Es waren hauptsächlich deutschstämmige die seit Jahrhunderten in den nun östlichen Staaten Europas lebten, an der Wolga, in der Batschka, in Siebenbürgen, in Ungarn und in der Tschechslowakei. Sie sprachen meistens noch Deutsch, waren aber doch Fremde. Da Deutschland in Trümmern lag, wurden viele durchgereicht in die Länder der Neuen Welt. Nach den USA, Kanada, Brasilien und Argentinien. Heute erinnert sich kaum mehr jemand daran, es sind mehr als zwei Generationen vergangen, die Familien und ihre Nachkommen sind angekommen.

Seit dem Einmarsch der USA im Jahre 2003 im Irak, gibt es wieder eine Flüchtlingsbewegung, erst innerhalb des Nahen Ostens und nun seit 2015 verstärkt nach Europa. Mit der Zerschlagung Lybiens durch die Amerikaner im Jahr 2011, wurde dieses Land instabil und ist eine offene Türe für die Süd-Nordwanderung aus Afrika.

Für all diese Verfolgten oder einfach Flüchtige ist Europa das Ziel, der angeblich goldene Trog aus dem man sich leicht ernähren kann oder einfach versorgt wird.

Aber auch in den Amerikas gab es immer wieder diese regelrechten Völkerwanderungen: Flüchtlinge aus Kuba, bedrohte aus Kolumbien und Erdbebenüberlebende aus Haiti. Das große Einwanderungsland USA nahm sie alle auf, denn man benötigte immer wieder Arbeitskräfte für einfache Dienstleistungen, einfache Arbeiten am Bau oder in der Landwirtschaft. Die Zahl, auch der illegalen Einwanderer, die seit vielen Jahren im Land leben, geht in die Millionen. Deshalb hat die Regierung unter Barak Obama für deren Kinder ein Bleiberecht beschlossen. In den USA geborene waren ohnehin automatisch Bürger des Landes.

Derzeit bewegt sich eine Welle von 7000- 8000  Flüchtigen aus Honduras, El Salvador und Guatemala nach Norden und hat bereits die Grenze zu Mexiko erreicht. Das Ziel sind die USA. Da Donald Trump schon lange eine Mauer an der Grenze zum südlichen Nachbarland erstellen lassen will, kommt ihm diese Welle mehr als gelegen. Polizei und Armee sind aufgeboten um die Grenze vor dem Strom der Zentralamerikaner zu schützen.

In diesem Zusammenhang ließ der amerikanische Präsident auch prüfen, ob er den 14. Zusatz zur Verfassung eigentlich einhalten muss, worin steht, dass wer im Land geboren wird, automatisch Amerikaner wird. Sollte er dies aufheben wollen, würde die gesamte amerikanische Geschichte in Frage gestellt, denn das Land besteht zu 99 Prozent aus Einwanderen. Auch die Familie Trump wäre dann vielleicht garnicht mehr in den USA, denn sein Vater, als Sohn eines deutschen Einwanderers wäre nicht automatisch Amerikaner geworden. Vielleicht sollte ihm dies einmal jemand klar machen.

*Eckhard Ernst Kupfer ist deutscher Journalist, Direktor des Martius-Staden-Instituts in São Paulo, Herausgeber der Jahrbücher des Instituts, Mitautor von “Fünf Jahrhunderte deutsch-brasilianische Beziehungen”, Kommentator der Radiosendung AHAI – Die deutsche Stunde der Gemeinden > Block 05 und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br – Notícias.
E-Mail: ekupfer@martiusstaden.org.br
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