Hamburger gegen Olympia 2024

“Eine armselige und dumme Entscheidung”, nennt eine Zeitung das, “eine Katastrophe für den Standort Deutschland”. Ein anderes Blatt spricht gar vom “Tod der Spiele”. Aber es gibt auch differenziertere Stimmen, die das Abstimmungsergebnis als klug bezeichnen. Die Wähler akzeptierten eben heutzutage nicht mehr alle Vorschläge, die ihnen von Politik, Wirtschaft und Sportfunktionären vorgesetzt würden.

Bei nüchterner Betrachtung muss man sich nämlich fragen, ob solche Großereignisse überhaupt noch zeitgemäß sind. Bekannt ist, dass von Veranstaltungen, wie Olympia oder der Fußballweltmeisterschaft, vor allem die großen Sportverbände, das IOC und die Fifa, profitieren. Zurück bleiben, wie in Brasilien, teure Fußballstadien, die keiner mehr nutzt, oder neu errichtete Stadtteile, in denen keiner mehr die horrenden Mieten bezahlen kann. Korruption, Doping und Skandale bei der Vergabe von Fußball-Meisterschaften – wer hat das alles bereits vergessen?

Sicherlich spielte die Angst vor terroristischen Überfällen bei dem Nein in Hamburg eine Rolle. Doch auch die finanzielle Planung der Spiele war unsicher. Niemand kann heute genau beziffern, wie hoch die Kosten letztlich sein werden. Das Risiko ist immens. Das sieht man an dem Hamburger Konzerthaus, welches für ursprünglich 77 Millionen Euros geplant war. Inzwischen kostet es das 10-fache und ist immer noch nicht fertig. Ein zweites finanzielles Desaster dieser Art wollten sich die klugen Hamburger Wähler nicht antun.

*Henning Fülbier
 war neun Jahre lang zuständig für die Fachberatung Deutsch in brasilianischen Gymnasien von Rio Grande do Sul und Santa Catarina und ist heute unser Beobachter und Kommentator in Berlin für die Radiosendung AHAI – Die Deutsche Stunde der Gemeinden und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br.
E-Mail: henning@fuelbier.de .

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