Gedanken zum neuen Jahr – Lissi Bender*

Lissi Bender 

2013 geht zu Neige. Lassen wir es in Dankbarkeit Vergangenheit werden. 2014 steht vor der Tür. Gehen wir ihm entgegen und begrüßen es mit all dem, was es mit sich bringen mag. In dieser besonderen Zeit blicke ich gerne hinein in die Gedanken Anderer. Hier bringe ich Euch ein paar Zeilen aus dem Geistesgut liebenswerten und einfühlsamen deutschen Dichter und Schriftsteller, die uns zum Nachdenken anspornen.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) ging dem neuen Jahr gelassen entgegen, er sagte vor gut 200 Jahren: „Das neue Jahr sieht mich freundlich an, und ich lasse das alte mit seinem Sonnenschein und Wolken ruhig hinter mir“.
Goethe macht uns auch Mut, das Neue auszuprobieren: „Was immer du tun kannst oder erträumst zu können, beginne es jetzt.“
Theodor Fontane (1819-1898) äußert Bedenken, die auch uns bewegen: „Was werden die Tage bringen? Wird’s werden, wie es immer war, halb scheitern, halb gelingen? Ich möchte leben, bis all dies Glühen rücklässt einen leuchtenden Funken. Und nicht vergeht wie die Flamme im Kamin, die eben zu Asche gesunken“.
Christian Morgenstern (1871 bis 1914) regt uns zu neuen Ansichten an: „Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Machen wir uns von dieser Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.“
Joachim Ringelnatz (1883 – 1934) betrachtet das neue Jahr als neuen Anfang: „Die Zeit verrinnt, die Spinne spinnt in heimlichen Geweben. Wenn heute Nacht das Jahr beginnt, beginnt ein neues Leben“.
Für den Dichter und Sprachforscher Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), von dem auch der Text der deutschen Nationalhymne stammt, bedeutet ein neues Jahr neues Glück, und er strebt dankbar diesem Neuen entgegen:
Das alte Jahr vergangen ist
Das alte Jahr vergangen ist,
das neue Jahr beginnt.
Wir danken Gott zu dieser Frist.
Wohl uns, dass wir noch sind!
Wir sehn aufs alte Jahr zurück
und haben neuen Mut:
Ein neues Jahr, ein neues Glück.
Die Zeit ist immer gut.
Ein neues Jahr, ein neues Glück.
Wir ziehen froh hinein.
Und: Vorwärts, vorwärts, nie zurück!
soll unsre Losung sein.
Mit Gedanken von Wilhelm Busch (1832 – 1908), denen die ich mich anschließe, runde ich diese Reihe ab: „Will das Glück nach seinem Sinn dir was Gutes schenken, sage Dank und nimm es hin, ohne viel Bedenken. Jede Gabe sei begrüßt, doch vor allen Dingen: Das, worum du dich bemühst, möge dir gelingen!“
Sei jede gute Gabe im neuen Jahr ganz herzlich begrüßt, und das, worum wir uns bemühen, möge uns besonders gut gelingen, denn „Die Summe unseres Lebens sind die Stunden, in denen wir liebten“. Macht etwas Gutes aus jeder Stunde Eures Lebens, und seid stets bedacht auf das, was Busch uns übers Leben lehrt: „Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele: Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur. Darum, Mensch, sei zeitig weise! Höchste Zeit ist’s! Reise, reise!“ Im neuen Jahr lasset Euch Zeit für die wertvollen Lebensziele in Eurem Leben, versäumet sie nicht, liebe Leser.

*Lissi Bender ist Dozentin an der UNISC – Universidade de Santa Cruz do Sul, RS, Doktorandin an der Universität Tübingen, Kommentatorin bei der Radiosendung AHAI – Die Deutsche Stunde der Gemeinden und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br. E-Mail:lissi@unisc.br.  

 

 

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