Alle Jahre wieder – von Lissi Bender* in Deutschland

In der mittelalterlichen Stadt Tübingen, wo ich gerade wohne,  findet im Dezember das größte Schokoladenfestival Deutschlands statt. Über 100 Chocolatiers aus aller Welt präsentierten das Feinste vom Feinen. Soweit Augen und Nase reichen: Schokolade,  Schokolade zum Essen und zum Trinken. Man konnte zuschauen, wie Schokolade hergestellt wird, Kinder konnten selbst Schokolade machen, Erwachsene an Pralinenkursen teilnehmen. Tja, alles drehte sich um Schokolade: wohltuende Schoko-Massagen, Schoko-Lesungen, Schoko-Kino, Schoko-Kunst, musikalisches Schokoladen-Kabarett, Schokoladen-Menüs. Sechs Tage lang stand Schokolade im Zentrum aller Angebote in Tübingen. Die Tübinger wissen, wie man ein Fest organisiert, bei dem alles, aber auch alles, was geboten wird, mit dem Anlass des Festes zu tun hat. Und die Milch, die für die Schokoladenherstellung auf dem Schokoladenfest verwendet wurde, war exklusive Bio-Milch aus der Region.
Hier, liebe Freunde, kann man lernen, wie ein großes Fest organisiert wird, in dem alles sich um das Motiv des Festes dreht.
Im Monat Dezember weihnachtet es aber überall in Deutschland. Hier in Tübingen stehen grüne, echte Tannenbäume vor den Geschäften,  überall Lichter und strahlende Kerzen, überall Weihnachtsstimmung, Weihnachtsduft nach Vanillekipferln, Pfeffernüssen oder Honigdoss, wie wir sie nennen, nach Zimtsternen, Früchtebrot, Lebkuchen und Weihnachtsstollen. Im Fernsehen werden Weihnachtsfilme gezeigt, in den Kirchen Weihnachtskonzerte gespielt und im Radio tönen Weihnachtslieder.
Letztes Wochenende fand auch hier in Tübingen ein Weihnachtsmarkt statt. Weihnachtmärkte gab es schon im Mittelalter, sie haben eine lange Tradition. Auf dem  Tübinger Weihnachtsmarkt konnte man über 400 weihnachtlich geschmückte Stände besichtigen, organisiert von Vereinen, Schulen, aber auch von Privatpersonen. Das Besondere an dem Tübinger Markt sind die überwiegend handgefertigten Produkte für Weihnachten, wie handgeschnitzte Weihnachtskrippen, Weihnachtsdekoration, Kerzen aus Bienenwachs und vieles mehr. Auf dem Markt riecht es nach Glühwein, nach Waffeln, nach gebrannten Mandeln und Maronen. Wer zur Weihnachtszeit nach Deutschland kommt, sollte unbedingt einen Weihnachtsmarkt besuchen. Ein wunderschönes Erlebnis. übrigens, es soll bis zu 10.000Weihnachtsmärkte in Deutschland geben, wovon die in Nürnberg, Dresden, Köln und Hamburg die größten sein sollen. Der Bautzener Weihnachtsmarkt (aus Bautzen) soll der älteste sein – seit 1384, siehe http://www.bautzen.de/weihnachten-in-bautzen.asp
Parallel zum Weihnachtsmarkt fand am 13. Dezember um 19 Uhr das 22. Tübinger Winterkino im Freien mit der „Feuerzangenbowle“ statt. Tausende von Menschen kommen jedes Jahr zum Haagtorplatz, um die Komödie aus den 40er Jahren mit Heinz Rühmann zu sehen und Feuerzangenbowle aus dem 400 Liter fassenden Kessel zu trinken. Feuerzangenbowle, das ist heißerRotwein mit feinen Gewürzen in einem Kessel, darüber, auf einem Drahtgitter, wird ein „Zuckerhut“ mit Rum getränkt und angezündet. Dadurch tropft der Rum-Zucker langsam in den Wein hinein. Das mal probieren ist ein Erlebnis! Ja, liebe Leser, alle Jahre wieder ist Dezember eine magische Zeit, sowohl in Santa Cruz do Sull, ein meiner Heimatstadt. als auch in Tübingen.

*Lissi Bender ist Dozentin an der Unisc – Universidade de Santa Cruz do Sul, RS, Doktorandin an der Universität Tübingen, Kommentatorin bei der Radiosendung AHAI – Die Deutsche Stunde der Gemeinden und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br. E-Mail:lissi@unisc.br

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