Totale Transparenz? – von Eckhard E. Kupfer*

 

Kupfer  –  Radiosendung AHAI 992, Kommentar Nr. 212

 

Die moderne Technik bietet uns viele Möglichkeiten. Man sagte einmal, die Technik sei ein Segen. Sie brachte uns Strom, Lebensqualität und eine hervorragende Kommunikation. Diese Verbindung ist heute so perfekt, dass wir an jedem beliebigen Ort mit Jedermann zu jeder Zeit  direkt Kontakt aufnehmen können, auch visuell. Wir erfahren alles was passiert, wir wissen alles was uns interessiert, es gibt keine Geheimnisse mehr. Aber gerade dies ist nun die negative Seite dieses Fortschritts, wir sind dabei keine Individuen mehr zu sein, die ihr persönliches Geheimnis und ihre Privatsphäre haben, wir werden zu öffentlichen Personen, ob wir wollen oder nicht. Niemand fragt uns, niemand schützt uns. Der ganze Kampf um Menschenrechte, der über 200 Jahre geführt wurde, wird mit einem Mal vom angeblich freiesten Land der Welt unterminiert und aufgelöst.
 

 

Der amerikanische Geheimdienst hat zu jeder Mail und zu jeder Kommunikation die weltweit geführt wird Zugang. Die englischen und französischen Sicherheitsdienste haben längst ebenfalls ihr Netz so ausgelegt, dass sie alles was gerade interessiert abhören, kopieren und verwenden können. Der deutsche Dienst hat die Möglichkeit sich in diese Systeme einzuklinken, obwohl man das von politischer Seite verneint. Die Empörung bei den Politikern hält sich in Grenzen, man wusste es ja, auch wenn man es nicht zugeben will.
 

 

Nun beschwert sich der brasilianische Außenminister bei der UNO, unterstützt von einigen südamerikanischen Nachbarn. Man hört ihm zu und geht zur Tagesordnung über. Gleichzeitig versuchte aber die brasilianische Wahlbehörde die Daten von 140 Millionen Bürgern an eine private Firma zur Auswertung zu geben. Zum Glück war die Presse wachsam und alarmierte die Öffentlichkeit. Unter diesem Druck wurde die Übergabe erst einmal verboten, hoffentlich bleibt es dabei. Doch die Tendenz zur totalen Transparenz des Individuums ist kaum aufzuhalten, dafür sorgen die Milliarden Teilnehmer der sozialen Netze schon selbst dafür. Die Zukunft beschrieben weitsichtige Autoren schon vor mehr als einem halben Jahrhundert: George Orwell in „ 1984“ und Aldous Huxley in  – „ Eine schöne neue Welt. „


*Eckhard E. Kupfer ist der Direktor des Martius-Staden-Instituts in São Paulo, Kommentator der Radiosendung AHAI – Die deutsche Stunde der Gemeinden und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br.
E-Mail: ekupfer@martiusstaden.org.br
 

 

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