Colunistas

29/06/2015

Zum Tod von Hans Günther Naumann - von Henning Fülbier

Ich möchte über einen Menschen sprechen, der vor einer Woche in Ivoti im Alter von 92 Jahren gestorben ist, mit dem ich mich beruflich und persönlich sehr verbunden fühlte: Hans Günther Naumann.

Er hat sich Zeit seines Lebens für die deutsche Sprache und Kultur in Brasilien eingesetzt und tat dies nicht aus nostalgischen oder rückwärtsgewandten Motiven. Vielmehr wollte er Brücken zwischen den Kulturen bauen. Als Brasilianer mit deutschen Wurzeln, der in zwei Sprachen zu Hause war, hatte er die Überzeugung, dass der Reichtum Brasiliens in der großartigen Vielfalt seiner verschiedenen Kulturen begründet sei. Diese Vielfalt müsse unbedingt erhalten bleiben.



Der Meister und seine Mahnung: "Wenn Du es nicht übernimmst..." - Foto Buch-Werbung


„Was du er ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“. Goethes Satz könnte auch über dem Leben und Wirken von Naumann stehen. Er hat als begnadeter Pädagoge viele junge Menschen nachhaltig geprägt. Später wurde er Schulleiter an der evangelischen Schule in Ivoti. Er begründete die Deutschlehrerausbildung am IFPLA und war lange Zeit ihr Leiter. Das IFPLA war viele Jahre an der Unisinos in São Leopoldo angesiedelt und hat heute seinen Sitz in Ivoti. Er hat Chöre und Orchester geleitet, hat geschrieben und übersetzt.

In seiner humorvollen, charmanten Art sprach er von sich oftmals als einem “wandelnden Museum und lebenden Fossil” und hatte dabei nicht ganz unrecht. Menschen mit einer humanistischen Bildung und einem so umfassendes Wissen sind heutzutage selten. Im Zeitalter von Internet und Wikipedia sind Fähigkeiten dieser Art kaum noch gefragt.

Doch ist eine junge Generation von Kulturvermittlern und Brückenbauern zwischen Deutschland und Brasilien entstanden, die das verdienstvolle Werk von H. G. Naumann anders, aber mutig, optimistisch und engagiert weiterführt: an den Schulen mit verstärktem Deutschunterricht, an den Universitäten, am Deutschlehrerinstitut IFPLA und an den Goethe-Instituten. Trotz mancher Skepsis und Kritik hatte Hans Günther Naumann bis zuletzt seine Freude daran.

Ein reiches Leben ist zu Ende gegangen, aber der Geist und Impuls, der von diesem Leben ausgegangen ist, wird weiterexistieren.

*Henning Fülbier war neun Jahre lang beauftragter Sprachberater der deutschen Bundesregirerung bei Schulen mit Deutschuntericht in Rio Grande do Sul und Santa Catarina, mit Sitz in in Porto Alegre, Süd-Brasilien, und ist heute u. a. Korrespondent BrasilAlemanha in Berlin und dortiger Beobachter und Kommentator bei unserer Radiosendung AHAI - Die deutsche Stunde der Gemeinden.

Mehr über Hans Günther Naumann >>> (Google)



Comentários

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Danilo Enns 29/06/2015, às 20:43

Auch ich hatte das Vorrecht, Herrn Naumann kennen gelernt zu haben und zwar als Student 1986 bis 1989 im IFPLA an der UNISINOS in São Leopoldo. Heinrich Böll verstand er uns schmackhaft zu machen, dass wir im Zeitalter ohne Internet noch Spaß an Literatur bekamen. Er hatte stets meine Anerkennung verdient, denn er war korrekt und altruistisch im Einzelnen. Und eine Fundgrube an Kultur.


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