Colunistas

06/06/2019

Stirbt der Amazonas? - von Eckhard Ernst Kupfer*

Wenn man über dieses größte tropische Regenwaldgebiet der Erde fliegt, meint man, dass die Welt noch in Ordnung sei und bewundert das stundenlange Grün und die Flüsse die sich wie Serpetinen durch die Landschaft schlängeln.

Doch am Boden angekommen und in Gesprächen mit Umweltexperten, seien es staatliche oder private, bekommt man ein anderes Bild von dieser Schönheit der Natur. Sie ist bedroht! Das ist nichts Neues, denn von Zeit zu Zeit tauchen immer wieder Berichte auf die an abholzen oder abbrennen erinnern. Ebenso liest man immer wieder über Berichte von der Expansion der Minengebiete, seien es legale wie die Eisenerzschürfung in Pará oder illegale wie die ewigen Goldsucher an den Ufern der diversen Flüsse.

Doch es besteht noch eine dritte Intervention, die uns als großer Fortschritt verkauft wird: Die Stauwerke zur Elektrizitätsgewinnung. Die offizielle staatliche Version ist, dass sie dem Fortschritt und dem Wohlbefinden der Bürger dienen würde, denn viele Bewohner hätten noch keine oder ungenügende Stromversorgung. Spricht man jedoch mit den Bewohnern und  Umweltschützern, so wird rasch klar, dass dieser Eingriff in die Natur gerade den großen Konzernen nützt, die dabei sind die Umwelt entscheidend zu verändern.

 

Die Indigenen Völker, die Quilombos und die Ribeirinhos brauchen keine Riesen-Stauwerke um mit Strom versorgt zu werden. Ja diese Flussveränderungen rauben ihnen vielfach ihre Lebensbasis: Ländereien werden überschwemmt, der Fischfang wird unmöglich gemacht, kurz die Menschen die dort Leben werden einfach vertrieben.

Die sogenannten Umweltschützer von Ibama, Funai oder Instituto Chico Mendes sind aber zu schwach und haben zu wenig Lobby um sich durchzusetzen. Ihre Reichweite und Kontrolle ist beschränkt, trotz gutem Willen und intensivem Einsatz in dem großen Gebiet.

Kürzlich sah ich einen Dokumentarfilm der zeigte wie eine staatliche Umweltpolizistin mit ihrer Mannschaft gefährdete Gebiete durchkämmt um Abholzern auf die Spur zu kommen. Das vorgegebene Satellitenbild zeigt die Plätze genau, doch bis die Truppe per Fahrzeug hinkommt, sind entweder die Sägetrupps verschwunden oder man trifft einen einfachen Waldarbeiter, der weder das Gesetz kennt, noch bestraft werden kann, da er kaum etwas besitzt. Die Hintermänner sitzen weit weg, sind immer gut informiert und praktisch kaum zu belangen. Es ist wie beim Drogenhandel, die Kleinen greift man, die Großen sind unsichtbar und unnahbar, da sie oft selbst mit der Polizei oder Politikern im Bunde sind.

Da hilft es wenig wenn Milliarden und Millionen an Zuschüssen von Ländern wie Norwegen oder Deutschland eintreffen um den Amazonas zu schützen. Es wird nicht gelingen, solange das Umweltbewusstsein sich in Brasilien nicht so festsetzt wie in den Ländern der ersten Welt. Aber dort begann das Bewusstsein erst, nach dem schon alles abgeholzt worden war.


*Eckhard Ernst Kupfer ist deutscher Journalist, Direktor des Martius-Staden-Instituts in São Paulo, Herausgeber der Jahrbücher des Instituts, Mitautor von “Fünf Jahrhunderte deutsch-brasilianische Beziehungen”, Kommentator der Radiosendung AHAI – Die deutsche Stunde der Gemeinden > Block 05 und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br – Notícias.
E-Mail: ekupfer@martiusstaden.org.br
Audio dieses Kommentars – AHAI  bl 05



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