Colunistas

11/10/2017

Globalisierung oder Regionalismus? - von Eckhard Ernst Kupfer*

Dieser Tage hat der Provinzpräsident von Katalanien die Unabhängigkeit seiner Region von Spanien verkündet. Dem war ein Plebiszit vorausgegangen an welchem sich zwar nur 43 Prozent der Bevölkerung beteiligte, aber mit 90 Prozent für die Abspaltung von Spanien und für die Unabhängigkeit der Provinz stimmte. Ganz Europa nahm diese Entscheidung schockiert auf, denn nach dem englischen Brexit wäre dies schon die zweite Abspaltung innerhalb der Europäischen Union, die ein ganz anderes Ziel hat, nämlich die transnationale Einheit. Ein Kontinent mit einer Zentralregierung, mit einer Währung und offenen Grenzen.

Die Idee zu diesem vereinten Europa entstand schon bald nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und sollte derartige Kämpfe in Europa für immer verhindern. In den 1990er Jahren, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, war das Bestreben sowohl von Politikern als auch von Wirtschaftsführern, die Welt als eine offene Landschaft und einen weitgehend offenen Markt anzusehen. Man versprach sich selbst große Vorteile und versuchte auch die Menschen in vielen Ländern davon zu überzeugen, dass eine globalisierte Welt jedem nur Vorteile bringen würde. Doch bald stellte sich heraus, dass die Wirklichkeit vielfach anders aussah. Arbeitsplätze wurden in Billiglohnländer verlegt und die danach eingeführten Produkte erdrückten die verbliebene nationale Industrie völlig.

So entstand schon bald eine Bewegung der Globalisierungsverlierer und Gegner, die von dieser weltweiten Öffnung nicht nur keine Vorteile, sondern nur Nachteile in Kauf nehmen musste. Diese Menschen  fühlten sich dann mehr und mehr allein gelassen. Dazu kam, je mehr der Bürger reisen konnte und die Welt kennenlernte, desto mehr entstand ein Heimatgefühl, man legte wieder Wert auf den eigenen Dialekt oder die eigene Sprache, die Gepflogenheiten und Traditionen, die man abgelegt hatte, wurden wieder aus der Schublade geholt, kurz Heimat und Heimatkultur bedeutete plötzlich wieder etwas.

So entstand in verschiedenen Ländern Europas der Wunsch nicht im großen Topf unterzugehen, sondern sich wieder sein eigenes kleines Land zu wünschen und dafür auch zu werben oder gar zu demonstrieren. Katalanien ist ein Beispiel dafür, das kleine Land Belgien ist innerlich seit langen gespalten in holländischsprechende Flamen und französischsprechende Walonen. Schottland behält sich vor den Brexit nicht mitzumachen und Südtirol hat sich in Italien noch nie zu Hause gefühlt.

Auch in Brasilien gibt es Gruppen, die sich gerne vom Rest des Landes abspalten würden und von einem unabhängigen Südbrasilien träumen.

Ob diese Bewegungen zu regionaler Unabhängigkeit und Kleinstaatlichkeit wirklich der richtige Weg für die Zukunft sind, darf bezweifelt werden. Eine Kritik und ein Warnsignal an die Zentralregierungen sind sie allemal.


*Eckhard Ernst Kupfer ist deutscher Journalist, Direktor des Martius-Staden-Instituts in São Paulo, Herausgeber der Jahrbücher des Instituts, Mitautor von “Fünf Jahrhunderte deutsch-brasilianische Beziehungen”, Kommentator der Radiosendung AHAI – Die deutsche Stunde der Gemeinden > Block 05 und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br – Notícias.
E-Mail: ekupfer@martiusstaden.org.br



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