Colunistas

06/12/2018

Die neue brasilianische Regierung und die deutsche Presse - von Eckhard Ernst Kupfer*

Die deutsche Presse hat eine lange und interessante Geschichte. Bis zur Machtübernahme durch Hitler 1933 war die deutsche Presselandschaft so vielseitig, mächtig und facettenreich wie nur noch in Großbritannien.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blühte dieser wichtige Informationszweig zwar langsam aber in den 1960er und 1970er Jahren wieder voll auf. Es gab von linksextremen Studentenzeitschriften bis zu konservativen, christlichen Blättern und auch extrem nationalistischen Medien die gesamte Bannbreite die in einer Demokratie erlaubt war. Dementsprechend konnten sich die darin schreibenden Journalisten auch relativ frei artikulieren. Wenn man jedoch diese Medienlandschaft heute betrachtet, dann ist sie zu einem Einheitsmeinungsbrei zusammengeschrumpft. Es ist eigentlich fast egal ob man die Welt, die Frankfurter Allgemeine, den Spiegel oder die Süddeutsche Zeitung liest, die Meinungen und Kommentare sind nahezu deckungsgleich. Dies beunruhigt, man muss sich fragen was ist mit der wirklichen Pressefreiheit in Deutschland geschehen?

Zunächst gab es eine enorme Konzentrierung der Verlage, dies geschah aus wirtschaftlichen Gründen da die Auflagen immer geringer wurden. Wenn dann aber ein Konzern große Teile finanziert, dann kontrolliert er auch die Produkte und lässt  dies veröffentlichen was sich am besten verkauft. Somit wurden dem Schreiber schon enge Grenzen gesetzt. Dazu kommt nun noch, dass wir uns in Deutschland in der Enkelgeneration befinden, der Enkel der Anhänger des Nationalsozialismus, die soviel Unglück über die Welt gebracht haben, und in dieser neuen Generation entwickelt sich wieder stark der Drang die Welt zu verbessern. Damit wird alles was nicht ihrer so scheinbar heilen Weltanschauung entspricht, verteufelt, verdammt und als Gefahr für die Weltdemokratie angeprangert.

Am Beispiel Brasilien kann man dies am deutlichsten erkennen. Während die Regierung Lula diesen Weltverbesserern in ihre Richtung passte, auch als dann ein Korruptionsfall nach dem anderen auftauchte, sind die Berichte über die neugewählte Regierung so einseitig und tendenziös, als ob ab dem 1. Januar 2019 eine neue Militärdikatur in Brasila einziehen würde. Es wird kaum hinterfragt warum Bolsonaro bei freien Wahlen die Mehrheit erhalten hat, und was der wirkliche Grund des Niedergangs der PT-Regierung war. Selbst die seit Jahren täglich in allen brasilianischen Medien veröffentlichten Korruptionsskandale werden von diesen Medienvertretern wenig oder kaum weitergereicht. Nun aber, da der Wähler genug hatte vom politischen Selbstbedienungsladen und darauf reagierte, dass sich die gesamte politische Klasse an den Steuergeldern der arbeitenden Gesellschaft bereicherte, da taucht plötzlich die Angst vor einem sozialen Rückschritt Brasiliens auf.

Diese Einseitigkeit ist bedauerlich und disqualifiziert sowohl die Schreiber, als auch die Verlage die ständig solche tendenziöse Berichte  zur Veröffentlichung freigeben.

*Eckhard Ernst Kupfer ist deutscher Journalist, Direktor des Martius-Staden-Instituts in São Paulo, Herausgeber der Jahrbücher des Instituts, Mitautor von “Fünf Jahrhunderte deutsch-brasilianische Beziehungen”, Kommentator der Radiosendung AHAI – Die deutsche Stunde der Gemeinden > Block 05 und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br 



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