Colunistas

09/01/2015

Die gegenwärtige Völkerwanderung - von Eckhard E. Kupfer*

Das ist eine interessante Entwicklung, Europa in der Krise, Europa ein Einwandererland. Wie passt dies zusammen? Nun, wir scheinen uns tatsächlich wieder in einer Zeit der Völkerwanderung zu befinden:

Afrikaner fliehen über das Mittelmeer, um ihren Stammes und Religionskriegen zu entkommen, Syrer und Iraker fliehen vor der Islamischen Miliz, die versucht einen radikalen Gottesstaat in ihrer Heimat zu etablieren. Aber auch innerhalb Europas wandern Menschen aus Rumänien und Bulgarien nach Mitteleuropa um der regionalen Armut und Aussichtslosigkeit zu entgehen.

Die USA versucht sich schon seit vielen Jahren gegen die illegale Einwanderung aus Mittel- und Südamerika zu wehren. Mittlerweile sind über 5 Millionen Illegale im Land. In Südamerika selbst nimmt die Zuwanderung nach Brasilien zu, Haitianer, Bolivianer und Paraguayer suchen ein besseres Leben im größten Land des Subkontinents.

Im bevölkerungsreichsten Teil der Erde in Asien, ist die Völkerwanderung konstant, die wirtschaftlichen Enklaven, Singapur, Hongkong und Taiwan ziehen immer mehr Menschen an, Australien und Neuseeland versuchen sich durch strenge Gesetze und Kontrollen abzuschotten, doch es gelingt nur teilweise.. Saisonarbeiter aus ganz Asien verdingen sich in den arabischen Emiraten als billige und ausgebeutete Arbeitskräfte bei der Erbauung der Welt der Zukunft.

Die Welt verändert sich dadurch ständig und permanent, denn es ist ein Prozess der sich nicht aufhalten lässt, sondern immer schneller und stärker rotiert. „Tempora mutantur et nos mutamur in illis“, ist ein lateinisches Sprichwort aus dem 16. Jahrhundert, das heute mehr denn je Bedeutung erlangt, die Zeit ändert sich, und wir ändern uns mit ihr.

Die Zeit unserer Erde und die Menschen die darauf leben sind einem ständigen Wandel ausgesetzt, nichts ist mehr von Dauer, „ pantarhei“ sagte schon Heraklit 500 Jahre vor Christus, - alles fließt -. Wie konnten wir diese Einsicht des großen griechischen Philosophen vergessen, der vor 2600 Jahren erkannte, dass nichts so bleibt wie es ist, dass das Sein ein fließender Vorgang ist der beginnt und endet und die Erde eine Kugel die sich ständig dreht. Kein Tag sei wie der andere, sagt schon ein Sprichwort, das sollten wir nicht vergessen.

In einer Wohlstandsgesellschaft, die in großen Teilen Europas nach dem Ende des zweites Weltkriegs entstand, schlich sich das Gefühl ein: „Oh Augenblick verweile, du bist so schön“. Diesen Zustand erreichte Faust nicht, und die von dem Aufschwung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts privilegierten Europäer noch viel weniger, obwohl mit dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums 1989/1990 und der darauffolgenden Ostöffnung, Europas Bedeutung eher noch zunahm. Aber gerade diese Öffnung barg auch enorme Gefahren in sich, denn nicht allen rasch demokratisierten Ländern gelang es an die Vorreiter Europas Anschluss zu finden. Bei relativ offenen Grenzen entstand nun plötzlich ein Wohlstandsgefälle, das sich selbst in dem neu geformten Deutschland bemerkbar machte. Viel schwieriger war es den Balkan zu reorganisieren, was mit einem schmerzlichen Rückfall in ethnische Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien endete. Diese dauerten fast das gesamte letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts an.

Ein Ergebnis waren Flüchtlingsströme aus dem Kosovo, Bosnien und dem benachbarten Albanien nach Mittel, West und Nordeuropa. Aufgrund einer durchschnittlich guten Ausbildung integrierten sich diese Zuwanderer relativ problemlos. Eine gewisse Ausnahme machten gewalttätige Banden aus Albanien, die sich im Drogenhandel etablierten und in Großstädten Angst und Schrecken hinterließen, denn auch andere ethnische Banden, etwa aus Russland und Georgien kämpften um den lukrativen mitteleuropäischen Markt, der jahrzehntelang von der italienischem Mafia alleine beherrscht wurde.

Auf politischer Ebene stand das Zusammenwachsen eines vereinten Europas im Vordergrund, man wollte einmal die bisher vom Sowjetreich kontrollierten Staaten so schnell wie möglich an den Westen binden. Damit verbunden war die Aussicht, dass die Bevölkerung rasch zu einem höheren Lebensstandard kommen würde, aber man dachte auch daran diese nun offenen Märkte industriell und handelsmäßig zu benutzen. Einmal als kostengünstige Fabrikationsstätten, bedingt durch geringere Löhne, und zum anderen um den Nachholbedarf der Bevölkerung zu befriedigen. Einige Staaten, wie Polen, Ungarn und Tschechien integrierte man auch in das nordatlantische Verteidigungsbündnis NATO. So wurde die Grenze dieses Militärbündnisses stark nach Osten verschoben. Es war nur einer temporären Schwäche der russischen Regierung zu verdanken, dass dies so stillschweigend hingenommen wurde.

Mit der Reisefreizügigkeit, kamen aber nicht nur gut ausgebildete Arbeitskräfte, die man besonders in Deutschland mit offenen Armen aufnahm, um die weltweit führende Exportposition zu halten, sondern eben auch neue EU-Bürger die sich gerne an dem besonders großzügigen deutschen Sozialsystem bedienen wollten. Ein lange in Deutschland nicht mehr bekanntes Bild bot sich zunehmend in Stadtzentren, nicht nur von Großstädten, Bettler an den Straßenecken.

Mit dem Ausbruch des Syrienkriegs im Jahr 2011 und der Radikalisierung der Oppositionstruppen, die ursprünglich für eine Abschaffung des Basharal-Saddad-Regimes kämpften, mittlerweile aber von radikalen Islamisten angeführt werden, entwickelte sich ein Flüchtlingsstrom zunächst in die Türkei, der aber über die griechische Grenze auch Europa erreichte und sich über mehrere Länder ausbreitete. Dazu kam noch die fortschreitende Einflussnahme islamitischer Kämpfer in Afrika, die systematisch eine ganze Reihe von Nord und Zentralafrikanischer Staaten desestabilisierte;Lybien, Sudan, Nigeria seien hier nur genannt. Immer mehr Menschen sahen nur noch einen Ausweg, die Flucht. Schleuserorganisationen boten den kürzesten Weg von Nordafrika über das Mittelmeer nach Spanien und Italien an.

Dort landeten überladene Boote, die kaum Sicherheit boten und vielen Flüchtlingen bereits auf hoher See zum Verhängnis wurden. Einmal jedoch in Europa angekommen, mussten sich die Regierungen der südlichen Staaten mit diesem neuen, ungewohnten und nicht geplanten Problem auseinandersetzen. Die Europäische Union war gefragt, und erinnerte sich an ihre Verantwortung nach der Charta der Menschenrechte. Seitdem werden sowohl Flüchtlinge aus dem Nahen Osten als auch aus Afrika auf ganz Europa verteilt. Deutschland als größte und wirtschaftlich stärkste Nation muss sich wohl oder übel an der Aufnahme beteiligen.
Mit dem Aufkommen der Bewegung ISIS (Islamischer Staat), bekam die Immigrationsbewegung, die in Wirklichkeit in Europa schon über 50 Jahre andauert, eine soziologisch-politische Variante, die Angst vor der IslamisierungEuropas. Deutschland zum Beispiel lebt bereits seit Ende der 1960er Jahre mit der Zuwanderung von „Gastarbeitern“ aus der Türkei.

Sie wurden kontraktiert um in den Expansionsjahren der Industrie große Nachfrage sowohl im Inland als auch im Export zu befriedigen. Ursprünglich wollte man diesen Arbeitern nur Fünfjahresverträge geben, doch es war die praktische Ansicht des damaligen Arbeitgeberpräsidenten, Hans-Martin Schleier, dass ein unbegrenztes Aufenthaltsrecht der Industrie sehr entgegen kommen würde, da neue Kräfte nicht ständig neu angelernt werden müssten. Dazu äußerte sich sarkistisch der schweizer Schriftsteller Max Frisch; „ Wir riefen Arbeitskräfte, doch es kamen Menschen.“ Diese Einsicht erlaubte es nun den Arbeitern, zum größten Teil aus Anatolien, ihre Familien nachzuholen. Damit schuf aber das Land eine Situation, die es seit der Anheuerung polnischer Arbeitskräfte im Ruhrgebiet Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr gab. Die Integration der türkischen Familien war nicht einfach, einmal durch die sehr unterschiedlichen Sitten und Gebräuche, aber noch viel mehr durch das hierarchische und teilweise antiquierte Familienrecht, das aus der Heimat mitgebracht wurde, und sich nicht immer mit dem deutschen Recht vereinbaren ließ.

Es muss anerkannt werden, dass die Extremfälle wie Ehrenmord, Familienrache nur in Einzelfällen die Gesellschaft erregte, aber niemand weiß genau in wieviel Fällen, die Unterdrückung und Bestrafung innerhalb der Familien stillschweigend durchgeführt wurde. Es bildete sich allmählich eine türkische Parallelgesellschaft in Deutschland, die solange sie unter sich blieb und nicht aneckte, akzeptiert wurde. Aber bereits seit den frühen 1990er Jahren, kam es immer wieder zu Konflikten zwischen Einheimischen die ihre Vorurteil begründet oder unbegründet durch Racheakte ausdrückten. Besonders bekannt sind die Brandaktionen gegen Immigrantenwohnungen in verschiedenen Städten.

In Ballungszentren, besonders mit großer türkischer aber auch arabischer Immigration aus verschiedenen nordafrikanischen Staaten, wuchs eine junge Generation von nicht Integrierten heran, die zwar bereits in Deutschland geboren wurden, aber durch den Zwiespalt zwischen Familie und Schule, den Anschluss an die kompetitive Gesellschaft nicht fanden, es entstand ein Kinder und Jugendproletariat, das chancenlos heranwuchs und sich durch Drogengeschäfte, Schwarzmarktgeschäfte oder Diebstähleunterhielt. Das wiederum ließ in der Bevölkerung die Vorurteile weiter gedeihen.

Die derzeit so viel diskutierte Pediga-Bewegung in Dresden, aber auch in verschiedenen anderen deutschen Stätten, traf sowohl die Presse als auch die Politiker recht unvorbereitet. Nach dem Motto: „In unserem offenen Land kann nicht sein, was nicht sein darf.“ Aber gerade der von der Regierung geprägte Begriff der „Weltoffenheit“ , ist keineswegs die Ansicht aller Deutscher. Man kennt ja schon seit der Öffnung die rechtsradikalen Bewegungen besonders in Regionen der ehemaligen DDR. Dies ist ein Ausdruck des Protests der Ohnmächtigen und Zu-kurz-Gekommenen, aber auch der von der Deindustrialisierung um Ihre sichere Zukunft beraubten Bürger in den „neuen Bundesländern“. Dass aber auch im westlichen Deutschland viele Bürger die Überfremdung mit Sorge betrachten, wurde von offiziellen Stellen nicht sehr berücksichtigt. Es war nur logisch, dass mit dem Erscheinen der AfD (Alternative für Deutschland) eine politische Bewegung entstand, die diese besorgten Bürger vertritt und ihren Vorbehalten politische Stimmen verschafft. Andere Staaten der EU wie Frankreich, Niederlande und auch England, sehen sich mit einer ähnlichen Bewegung konfrontiert, Parteien die auf Nationalstaatentum und Ausländerkontrolle setzen, gewinnen auch dort stark an Zulauf, denken wir nur an Marie Le Penn in Frankreich oder die Ukip Partei in England, warum sollte in Deutschland eine ähnliche Bewegung nicht auch ihre Berechtigung haben?

Man muss keineswegs ein Anhänger dieser nationalen Bewegungen sein,um sie zu verstehen. Wenn die Zeit sich weiter dreht und alles im Fluss ist, wie eingangs erklärt wurde, dann gibt es immer eine Gruppe von Bürgern, denen dies nicht gefällt, oder die gar vor jeder Veränderung Angst haben. Noch heute lebt ein gewisser Prozentsatz ehemaligen DDR-Bürger, den Traum ihrer vermeintlich heilen Welt bis 1989. Die Wahlergebnisse für die Linken zeigen dies, ebenso muss es durchaus erlaubt sein, seine Besorgnis über die Veränderung und Überfremdung Deutschlands ausdrücken zu dürfen. Dies sollte nicht mit emotionalen Vorwürfen abgetan werden, die Angst ist in Europa von Italien bis Norwegen real, und kann Europa vielleicht genauso verändern wie der Zuzug Fremder. Die Schweiz ist sicher kein rassistischer Staat, wenn sie die Zuwanderung generell beschränken will, es ist ein Ausdruck von Angst vor dem Verlust der eigenen Identität.

In solch einer Situation ist ganz einfach die Staatsführung aufgerufen, erste einmal die Vorgänge klar und logisch dem Volk zu erklären, und danach umgehend Maßnahmen und Regeln zu ergreifen, die diese Zuwanderung in ordentliche Bahnen lenkt, und vorteilhaft für beide Seiten lösen lässt. Beruflich qualifizierte Zuwanderer werden sich rasch anpassen und integrieren, Asylanten ohne diesen Vorteil sollten genau geprüft und betreut werden. Es geht nun einmal in Europa die Angst vor der militanten Muslimbewegung um. Attentate wie gerade in Paris, oder in der Vergangenheit in anderen Städten Europas sollten nicht vergessen werden. Europa und der Orient haben gut und schlechte Zeiten erlebt, aber es ist geschichtlich belegt, dass häufig eine Bewegung die andere überrennen wollte, von den Kreuzrittern bis zu den Türken vor Wien, die Gegensätze bestanden immer und sollten ernst genommen werden. Europa, das nun vereint und stark sein will, sollte sich ganz einfach darauf einstellen, dass es nun wieder das Ziel von Verfolgten, Wirtschaftszuwanderern aber auch von militanten Kriegern ist. Einfach den politischen Gutmenschen zu spielen hilft da nicht weiter.

Es gibt genügend Beispiele von potenziellen Einwandererländer, die seit dem 19. Jahrhundert Immigranten und Flüchtlinge aufnahmen, es sei nur an die USA gedacht. Dieses große, weite Land nahm sie alle auf, und brachte es fertig, Europäer, Afrikaner, Asiaten aus allen Ländern zu Amerikanern zu machen, es wäre kein schlechter Weg davon zu lernen.
Eek 7.1.2015

*Eckhard E. Kupfer ist der Leiter des Martius-Staden-Instituts in São Paulo



Comentários

deslogado
cxzcx 12/01/2015, às 06:38

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