Colunistas

28/03/2019

Der Umgang mit der Gewalt - von Eckhard Ernst Kupfer*

Wann immer in der näheren Umgebung eine schreckliche Gewalttat oder auch ein extremes Unglück passiert, ist es für die Presse ein Festtag.

Man sendet unzählige Reporter aus, die Unglückstelle wird aus nächster Nähe und allen Winkeln gefilmt und untersucht, immer in der Hoffnung etwas Exklusives zu ergattern. Die Überlebenden werden interviewt, ausgefragt, sollen möglichst dramatisch ihren Schrecken darstellen, damit so viel wie möglich entsetzte Zuschauer vor dem Bildschirm sitzen. Auf den unzähligen Internetseiten werden alle Winkel ausgeleuchtet, überraschende Videos gezeigt, mit der Absicht, dass etwas Einmaliges gezeigt werden kann, das das geschockte Publikum interessiert. Danach kann man sicher sein, dass diese Reportagen und Szenen unzählige Male wiederholt werden, bis man  alles bis zum Überdruss gesehen hat. Allmählich wird das schockierend Gezeigte ganz normal und verliert etwas von seinem Schrecken.

So geschehen beim Schlammunglück in Brumadinho und nun wieder bei dem Terrorakt auf die Schule in Suzano. Wo bleibt dabei die Pietät und Rücksichtnahme mit den Opfern und ihren Angehörigen?

Doch damit ist noch lange nicht genug, die folgenden Wochen werden Experten befragt, Augenzeugen ausgefragt und endlose Analysen  von mehr oder weniger Fachleuten angestellt, in der Hoffnung, die absolute Erklärung für das Unglück zu finden. Bei dem Dammbruch war es sogar noch einfach, die Firma Vale sei schuld und müsse dafür aufkommen.  Wesentlich komplizierter wurde es beim dem Angriff auf die Schüler der Schule in Suzano, was hat die Exschüler zu diesem Überfall veranlasst, war es Frust, Rache oder ein krankes Gehirn? Nun tauchen auch noch Erzieher und Psychologen auf, die all ihre Versionen und Erklärungen ausbreiten. Da werden Vergleiche mit den Attentaten in anderen Ländern angestellt, dann wird die gesamte Gesellschaft in Frage gestellt und schließlich kommt man zu Lösungsvorschlägen und preventiven Maßnahmen die ergriffen werden sollen. Vom besseren Schutz, bis zur Bewaffnung der Lehrer und Mitarbeiter reicht das Spektrum. Präsidenten wie der amerikanische und der neue brasilianische geben ihre Ansicht dazu ab und fühlen sich bestärkt, dass nur ein freieres Waffengesetz dies verhindern kann. Das Gegenteil wird kaum mehr erwähnt, nämlich die Entwaffnung der Zivilpersonen generell. Das passt nicht mehr in die politische Landschaft.

Wer hat je daran gedacht, Gewaltfilme und die unzähligen Gewaltspiele zu verbieten? Eine Milliardenindustrie verdient hervorragend daran. Wer hat je daran gedacht zu versuchen Gewaltgruppen aus dem Internet zu verbannen, dort treiben sie ein Parallelleben und niemand stört sich daran.

Man muss sich wohl damit abfinden, dass das Böse zum Menschen gehört. Zum Guten muss man erzogen werden, dass ist viel schwerer.


*Eckhard Ernst Kupfer
ist deutscher Journalist, Direktor des Martius-Staden-Instituts in São Paulo, Herausgeber der Jahrbücher des Instituts, Mitautor von “Fünf Jahrhunderte deutsch-brasilianische Beziehungen”, Kommentator der Radiosendung AHAI – Die deutsche Stunde der Gemeinden > Block 05 und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br – Notícias.
E-Mail: ekupfer@martiusstaden.org.br
Audio dieses Kommentars – AHAI  bl 05



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