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18/10/2016

Der Literaturnobelpreis für Bob Dylan - von Eckhard Ernst Kupfer*

Man ist es ja gewöhnt, dass die Vergabe des Nobelpreises für Literatur mit viel Spannung erwartet wird.

Unter den Preisen die die schwedische Akademie vergibt ist er neben dem Friedenspreis der populärste und derjenige der weltweit am meisten Aufsehen erregt. Normalerweise wird dieser Preis zeitgleich mit der Internationalen Frankfurter Buchmesse verliehen. Damit wird überspannend eine Verbindung zwischen dem Preis und der Literatur hergestellt, denn mit der Ehrung soll der Autor oder die Autorin ausgezeichnet werden, welcher mit literarischen Mitteln “Das vorzüglichste in idealistischer Richtung geschaffen hat.”

Damit entfernt sich der Preis von dem was man gemeinhin als Literatur bezeichnet. Es muss nicht unbedingt ein Romancier, ein Lyriker oder Sachbuchautor sein, der etwas “vorzügliches in idealistische Richtung” geschaffen hat. Die Vergangenheit zeigt dies ganz klar, denn einer der ersten Preisträger war 1902 der Deutsche Historiker Theodor Mommsen, dessen Werk ein Klassiker der historischen Forschung darstellt, aber kein literarisches Werk im belletristisch/linguistischen Sinne. Noch deutlicher wird die Vergabe an Winston Churchill im Jahr 1953, der sich eher als Politiker einen Namen machte und selbst nur ein mittelmäßiger Journalist war. Man sollte also diesen Literaturpreis nicht so eng an eine sprachliche Leistung oder Einmaligkeit binden.

Wenn man nun versucht die Vergabe an Bob Dylan zu verstehen, dann kommt man letzlich doch wieder der Vorgabe des Preisstifters nahe, denn Dylan ragt aus der Reihe der hervorragenden amerikanischen Songschreiber und Interpreten durch sein extrem starkes Engagement in den kritischen 1960er Jahren, während des Vietnamkriegs und später durch seine sozialkritischen Texte wie “ Like a Rolling Stone” heraus. Es bedeutet auch eine Auszeichnung für die lange Dauer seiner Karriere, die sich nun bereits über 50 Jahre hinzieht und immer noch oder schon wieder ein Publikum begeistert. Seine Lieder sind generationsüberspannend. Als wichtige Vorbilder der amerikanischen Lyrik stehen dafür zwei Dichter die nie den Preis erhielten: Walt Whitmann, der bereits vor Einführung des Nobelpreises verstarb und Ezra Pound, der sich durch seine politische Einstellung in den 1940er Jahren disqualifizierte.

Wenn nun der Barde mit Gitarre und Mundharmonika als Vertreter der amerikanischen Lyrik der Nachkriegsgeneration gefeiert wird, so sollte man auf keinen Fall seine ehemalige Partnerin Joan Baez vergessen, ebenso wenig wie die Folksänger Johnny Cash, Willy Nelson und Kenny Rodgers oder die lyrischen Sänger englischer Sprache wie Don McLean und Leonard Cohen. Die meisten dieser Künstler haben kritischere, einfühlsamere oder gar lyrischere Texte geschrieben als Dylan, aber keiner hatte so viel Erfolg wie “ Blowin in the Wind”, der den Zeitgeist, die Vergeblichkeit und die ferne Hoffnung einer gesamten Generation ausdrückte.

In diesem Sinne steht Bob Dylans Nobelpreis für eine ganze Generation von hervorragenden amerikanischen Interpreten und Interpretinnen, und rollt daher “ Like a rolling stone”.


*Eckhard Ernst Kupfer ist deutscher Journalist, Direktor des Martius-Staden-Instituts in São Paulo, Herausgeber der Jahrbücher des Instituts, Mitautor von “Fünf Jahrhunderte deutsch-brasilianische Beziehungen”, Kommentator der Radiosendung AHAI – Die deutsche Stunde der Gemeinden > Block 05 und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br.
E-Mail: ekupfer@martiusstaden.org.br



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