Colunistas

25/07/2018

Das zweigeteilte Brasilien - von Eckhard Ernst Kupfer*

Brasilien ist ein großes Land, das fünftgrößte der Erde sowohl nach der Ausdehnung, als auch nach seiner Bevölkerung von über 200 Millionen.

Ich hatte die letzten Wochen mal wieder die Gelegenheit einen Teil des Landes zu besuchen, der abseits  der Touristikzentren liegt. Mit unserer Expeditionsgruppe Spix-Martius, die gewisse Strecken nachreist, welche von den beiden bayerischen Wissenschaftlern vor 200 Jahren bereist und beschrieben wurden, besuchten wir den nördlichen und westlichen Teil von Minas Gerais, die südliche Grenze von Bahia und die östliche von Goias, ehe wir in die moderne Zivilisation von Brasilia zurückkehrten. Dabei legten wir über 3000 Kilometer zurück, gut ein Drittel reine Erd-  und Sandstraßen, die aber auf der Karte den Titel “BR” tragen.

Wir besuchten Kulturzentren, historische Einrichtungen, sprachen mit den Menschen auf der Straße, in ihren kleinen Dörfern und an den Flüssen die dieses Land so sehr durchqueren. Nach dieser Reise hat man ein etwas detailliertes Bild des Landes, denn überall gibt es die Politiker, die Regionalfürsten und die staatlichen Institutionen die eigentlich alles regeln, organieren sollten und dafür zu sorgen hätten, dass das Land wirklich funktioniert. Dann trifft man aber auch die 200 Millionen, die sich um ihre tägliche Arbeit als Fischer, Pflanzer, Naturschützer, Lehrer, Arzt und Familienoberhaupt zu kümmern haben.

Diese Menschen sind das Rückrat des Landes, sie sorgen dafür, dass in den weiten Strecken des sertão etwas funktioniert, zwar nicht immer wie geschmiert, aber sie sorgen dafür dass das Leben auch in den letzten Hütten und in den kleinsten Landwirtschaftsbetrieben noch lebenswert ist. Am meisten hat uns die Freundlichkeit und die Hilfsbereitschaft dieser Menschen beeindruckt und berührt. Von dieser Mehrheit berichtet aber kaum die Presse, es sei denn es passiert etwas das möglichst auch noch schockt.

Ich denke da an Sr. Oswaldo am Jequitinhonha, der uns seinen letzten Fisch zum Essen anbot als wir stundenlang nicht weiterkamen, oder an Sr. Waldemar in der Nähe der Serra das Araras, einem Einsiedler, der uns von seinem Leben erzählte, und von den vier verhungerten Brüdern sprach, er selbst ist glücklich dass er es bis 61 geschafft hat und wollte uns unbedingt seine letzten selbstgeernteten Bohnen als Geschenk mitgeben.

Wenn man dann Brasilia erreicht und nach zwei Wochen relativer Abgeschiedenheit sich wieder in den Großstadtverkehr einreihen muss und den Prunk und die Sattheit einer Hauptstadt sieht, die einst das Wahrzeichen einer aufstrebenden Nation sein sollte und heute der Inbegriff von Korruption, Vetternwirtschaft, politischer Selbstbedienung und einsamer Selbstgerechtigkeit darstellt,  dann kommt einem der Gedanke, dass wir in zwei verschiedenen Brasilien leben. Das reale weit abgeschieden von Macht und Herrlichkeit, und auf der anderen Seite die Höfe und Hofschaften wie zu Königs und Kaiserszeiten vor mehreren hundert Jahren.

Doch es liegt an jedem Einzelnen dies zu ändern, im Oktober hat er die Chance dazu.

 

*Eckhard Ernst Kupfer ist deutscher Journalist, Direktor des Martius-Staden-Instituts in São Paulo, Herausgeber der Jahrbücher des Instituts, Mitautor von “Fünf Jahrhunderte deutsch-brasilianische Beziehungen”, Kommentator der Radiosendung AHAI – Die deutsche Stunde der Gemeinden > Block 05 und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br – Notícias.
E-Mail: ekupfer@martiusstaden.org.br
Audio dieses Kommentars – AHAI  bl 05

 



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