Colunistas

10/10/2019

Das Deutschland von heute - von Eckhard Ernst Kupfer*

Vor 30 Jahren brach die DDR zusammen. Es war wie in einem Dampfkessel, der Druck von Innen war zu stark, der Behälter explodierte und überströmte die angrenzenden Länder. Wie sieht Deutschland heute aus?

 

Als sich die Grenzen zwischen den beiden deutschen Ländern öffneten und danach die Mauer fiel, war ich weit weg, aber mit dem Herzen dabei, denn es war schließlich mein Heimatland in dem ich geboren wurde, zur Schule ging, meine Ausbildung bekam und vor allem dessen Sprache ich zuerst lernte, das schließlich meine Muttersprache wurde. Also blieb ich mit diesem Reststück eines Landes verbunden. Es war zwar für mich leichter nach Italien und Griechenland zu reisen ja selbst nach Amerika oder Asien als nach Dresden und Leipzig. Selbst in Berlin stand ich vor der Mauer und konnte nur diese künstliche Willkür der Trennung sehen.

Das alles war nun 1989 endlich vorbei, Deutschland wurde wieder ein Land. Aber dies war garnicht so einfach, 40 Jahre Trennung, andere Erziehung, andere politische Theorie andere gesellschaftliche und soziale Werte, wie sollte dies zusammen passen? Es gab viele Ansichten und Meinungen, die vernünftigste wäre  ein allmähliches Zusammengehen gewesen, aber die Weltpolitik ist wie ein Kartenspiel, es wird immer neu gemischt und der Westen hatte gerade gute Karten, die Regierung in Bonn ebenso wie in Washington und man schloss ziemlich rasch zusammen was eigentlich nicht so einfach zusammenpasste. Die Wirtschaftssysteme waren völlig anders, die gesellschaftlichen ebenso, eine allmähliche Übergangszeit hätte manchen harten Schnitt ausgeglichen, aber es ging alles ganz schnell und dann war Deutschland plötzlich wieder ein großes Land in Europa, von der Ostsee bis an die Alpen und von der Oder bis an den Rhein.

Aber was wurde aus den Menschen? Sie bekamen den Stempel aufgedrückt, hier Wessies, dort Ossies. Die einen leicht überheblich, besserwisserisch, nach der kurzen Euphorie die Kritischen, die für die Wiedervereinigung bezahlen mussten und die anderen, unsicher, voller Komplexe, dem harten Karriere- und Wirtschaftskampf recht wehrlos ausgeliefert. Gut es gab einige smarte die sich rasch anpassten und dann Wiedervereinigungsgewinnler wurden, es gab auch welche die aus dem Westen kamen und wie Kolonisten auftraten. Es gab Jahre der Spannung und der Enttäuschung und nur ein langsames, allmähliches Zusammengehen.

Nun heute nach 30 Jahren, das heißt nach mehr als einer Generation sollte diese Diskrepanz überwunden sein, denn es gibt immerhin eine Generation die die DDR nur noch vom Hörensagen kennt. Aber ein wirklich vereintes Deutschland gibt es immernoch nicht. Solange man im Westen den Solidaritätszuschlag auf seiner Gehaltsabrechnung sieht und die Gehälter und Renten im Osten noch nicht dem Niveau des Westens entsprechen, solange gibt es immernoch Wessies und Ossies und Vorurteile auf beiden Seiten. Das beginnt mit den Dialekten, wer sächsisch klingt wird bei der Jobsuche erst einmal skeptisch begutachtet und muss dann besonders clever sein um gegen einen Wessie den Vorzug zu erhalten. Wer aus einer Familie kommt die in der Partei aktiv war, begegnet den gleichen Vorurteilen wie die Mitläufer der Nazizeit, er muss sich erst vom Stasiarchiv einen Persilschein holen.

Man sieht, zur endgültigen Wiedervereinigung ist es noch ein langer Weg.

*Eckhard Ernst Kupfer ist deutscher Journalist, Direktor des Martius-Staden-Instituts in São Paulo, Herausgeber der Jahrbücher des Instituts, Mitautor von “Fünf Jahrhunderte deutsch-brasilianische Beziehungen”, Kommentator der Radiosendung AHAI – Die deutsche Stunde der Gemeinden > Block 05 und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br – Notícias.
E-Mail: ekupfer@martiusstaden.org.br
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