Colunistas

27/11/2018

Brasilien, ein Versorger der Menschheit? - von Eckhard Ernst Kupfer*

Diese Phrase wird immer wieder verwendet, wenn man Brasilien in die Weltwirtschaft einordnen will.

Tatsache ist, dass das Land mit den Naturprodukten wie Soja, Kaffee, Orangenkonzentrat zu den Weltführern gehört. Aber auch die Ethanolerzeugung Brasiliens hat eine führende Stellung und die Fleischindustrie darf auf keinen Fall vergessen werden. Diese Produkte führen die Exportlisten Brasiliens an.

Doch was auf der einen Seite ein Segen der Natur ist, wird andererseits auch sehr kritisch bewertet, denn wenn es heute um die Verwendung von Naturprodukten geht, wird in einem großen Teil der Welt sofort die kritische Frage gestellt: Wie haltet ihr es mit der Sustentabilität? Die Menschheit läßt sich sehr gerne versorgen, aber bitte nur wenn die Umwelt nicht geschädigt wird. Dass solche  Vorbehalte gerade aus Regionen kommen, die seit Jahrhunderten Raubbau mit ihrer Landschaft betrieben haben, ist die Ironie der Geschichte. Aber die Vergangenheit ist gewesen, was zählt ist die Gegenwart und da schaut man genau auf Brasilien. Der Regenwald soll erhalten bleiben, aber es werden weiterhin Möbel aus edlen Hölzern gekauft, die Viehwirtschaft und der Sojaanbau sollen nicht erweitert werden, aber auf gutes Rind, Schweine und Hühnerfleisch will man nicht verzichten.

Es lohnt sich wirklich in dieser sehr emotional geführten Diskussion einmal die Zahlen und die Fachleute sprechen zu lassen. Brasiliens land- und viewirtschaftlich genutzte Fläche beträgt 7,6 % des gesamten Bodens. In Europa variiert  es von Land zu Land zwischen 45 und 65 Prozent, in den USA sind es 18 Prozent, etwa soviel wie in China und in Indien 60 Prozent. Wer beutet nun den Boden aus?

Ein weitere Frage taucht  bei der Verwendung von Pestiziden auf. Für einen bewussten Naturfan und überzeugten Vegetarier ist das Wort schon ein Horror. Bei dem kürzlich abgehaltenen “Forum Agronegócio sustentavel” der Zeitung “Estado de São Paulo” berichtete Nelson Ananias Filho von der Konferenz der Vieh- und Landwirtschaft Brasiliens, dass ohne die angewendeten neuen Technologien, zu denen natürlich auch Pflanzenschutzmittel gehören, man 100 Millionen Hektar mehr Anbaufläche benötigen würde als heute, um die gleiche Produktionsmenge zu erhalten. Heute beträgt die gesamte Anbaufläche Brasiliens 63,9 Millionen Hektar, soviel wie die landwirtschaftlich benutzten Flächen von Spanien und Frankreich zusammen.

Man kann leicht erkennen, ohne Technologie kein Fortschritt, und wenn die Menschheit weiter wächst und weiter unseren Erdball ausnützt muss auch die Landwirtschaft mitwachsen. Brasilien ist aber hierbei eher ein Beispiel des Naturerhalts als ein Land das willkürlich Raubbau betreibt. Nicht alles ist so wie es sein sollte, aber die Kritiker sollten erst einmal den Schmutz vor ihrer eigenen Haustüre kehren.


*Eckhard Ernst Kupfer ist deutscher Journalist, Direktor des Martius-Staden-Instituts in São Paulo, Herausgeber der Jahrbücher des Instituts, Mitautor von “Fünf Jahrhunderte deutsch-brasilianische Beziehungen”, Kommentator der Radiosendung AHAI – Die deutsche Stunde der Gemeinden > Block 05 und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br – Notícias.
E-Mail: ekupfer@martiusstaden.org.br
Audio dieses Kommentars – AHAI  bl 05



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