Die Polarisierung der Gesellschaft - von Eckhard Ernst Kupfer*

Dieser Tage musste der scheinbar angesehene Präsident Boliviens, Evo Morales, wie ein Verbrecher übernacht sein Land verlassen und Mexiko um politisches Asyl bitten. Man wirft ihm vor, die Wahlen manipuliert zu haben um weitere Jahre im Amt zu bleiben. Doch die Reaktion der Straße kam überraschend, die Menschen nahmen diesen Eingriff in die Wahlen nicht hin und demonstrierten. Morales verlor selbst die Unterstützung von Polizei und Militär und musste zurücktreten.

In Chile, dem eigentlich ruhigsten und demokratischten Land Südamerikas wird seit Wochen demonstriert und die Hauptstadt Santiago gleicht einem Schlachtfeld, der Präsident ist noch im Amt hat aber alle Minister entlassen und versucht einen Neuanfang, ob er gelingt bleibt dahin- gestellt.

In Equador regiert der ehemalige Vizepäsident Lenin Morales, der seinen Vorgänger Rafael Correa verfolgen ließ, sodass er das Land verlassen musste.

In Peru sind die meisten ehemaligen Präsidenten in Haft, werden gerichtlich verfolgt oder haben sich der Verfolgung durch Selbstmord entzogen.

Die Situation in Venezuela kann schon lange als katastrophal bezeichnet werden, und was geschieht in Brasilien? Mit der der Freilassung von Ex-Präsident Lula scheint die Linke wieder ein Sprachrohr zu haben das sich auf die derzeitige Regierung einschießen könnte.

Wenn wir nach Europa schauen, gibt es ähnliche Entwicklungen, besonders rechtsextremer Bewegungen und Parteien gegen die gewählten Regierungen.

Was hat sich nun in den letzten Jahren verändert? In den meisten Ländern Lateinamerikas ist der Konflikt zwischen Arm und Reich eine Tradition oder einfach ein Teil der Geschichte. Es gab immer wieder einmal Aufstände, Demonstrationen und auch Revolutionen, doch sie konnten dann durch freie Wahlen oder eine Diktatur befriedet werden. Aber verändert hat sich die Kommunikation, was Politikern wie Donald Trump und Jair Bolsonaro zum Erfolg verhalf waren die sozialen Netzwerke, die sich rasch multiplizieren und einen leichten Zugang haben. Wir sahen in Brasilien, die Zeit der großen Fernsehdiskussionen vor der Wahl ist vorbei, Bolsonaro nahm an keiner Teil, vielleicht hätte er sonst nie gewonnen.

Aber auch in traditionellen europäischen Ländern vermehren sich die Extremisten über die Netzkommunikation, die derzeit absolut unkontrollierbar ist und jedem der sich äußeren will, sei es noch so unqualifiziert, eine Plattform bietet. Dadurch entstehen Gruppen und Richtungen die Vorurteile, Hass und Gewalt verbreiten. Von dieser virtuellen Welt zur realen ist es oft ein kleiner Schritt und dann entstehen Gewaltdemonstrationen wie in Chile und Bolivien oder Extremistenansammlungen wie in verschiedenen Ländern Europas, Deutschland eingeschlossen. Für sie sind politische Gegner und und Andersdenkende Feinde die es mit allen Mitteln zu schlagen und zu vernichten gilt. Toleranz und Respekt vor den anderen Meinungen bleiben auf der Strecke.

Wir sollten genau beobachten was sich im kommenden Jahr in Brasilien entwickeln wird, denn es wird ein Wahljahr werden, sei es auch nur auf kommunaler Ebene.