Der Coronavirus und die Globalisierung - von Eckhard Ernst Kupfer*

Die Gesundheitskrise, die mit dem Coronavirus kam hat eine negative Seite der wirtschaftlichen Globalisierung aufgedeckt, an die vorher kaum jemand dachte: Die Abhängigkeit von der Produktion wichtiger Artikel und Geräte in Billiglohnländern.

Erinnern wir uns, nach 1990, dem Ende des kalten Krieges fielen immer mehr Wirtschaftbarrieren und Grenzen. In Westeuropa, das hohe Technologie entwickelte und herstellte, fand man heraus, dass es viel billiger wäre in China und Korea produzieren zu lassen. Die Technologiefreaks in Kalifornien gingen den gleichen Weg, sie entwickelten hochwertige neue Produkte die das Leben der Menschheit in den letzten 30 Jahren total veränderte, aber fabrizieren und montieren liessen sie in China.

Dies kam der internationalen Logistik zu gute, nie operierten soviele Schiffe auf den Weltmeeren wie in dieser Zeit, denn die Grenzen waren immer offener, die Zoll und Steuerabgaben sanken auf wenige Prozent und wer am billigsten anbieten konnte machte das Geschäft. Einige Länder des Fernen Ostens entwickelten sich zur Werkbank dieses neuen Wirtschaftsbooms.

Doch nun tauchte Anfang des Jahres dieser neue Virus auf, da war es mit der Weltläufigkeit schnell vorbei, Grenzen wurden geschlossen, offene Märkte gekappt und jedes Land reagierte nach dem Prinzip: Rette sich wer kann. Um aber diese Pandemie einigermassen in den Griff zu bekommen, brauchte man Gesichtsmasken, Schutzkleidung, Beatmungsgeräte und vorbeugende Medizin. Alles kein Problem, China hat ja eine grosse, umfangreiche Produktion und Indien die billigsten Pharmazielabors. Nur China war auch das erste Land mit einer flächendeckenden Pandemie. Reagierte, stellte Produktionen ein und was vom Band lief benötigte man selbst.

Es begann ein Wettlauf um Schutzmasken und Kleidung, und plötzlich war es mit der freundlichen Gemeinsamkeit der offenen Märkte vorbei. Wer mehr Macht hatte und mehr Geld, überbot die restlichen Länder und zwang die Hersteller bereits vereinbarte Kontrakte zu stornieren. Besonders hervor tat sich in diesem Räuber und Piratenverhalten, der amerikanische Präsident und seine Einkäufer. Masken verschwanden aus den Geschäften, aus den Krankenhäusern und wenn sie auftauchten war es zu Wucherpreisen.

Bei aller Globalisierung hatte man diesen Aspekt vergessen, den Notfall. Wäre es nicht besser, wenn jedes Land diesen Notfall, der immer wieder eintreten kann in seiner Wirtschaftspolitik einplanen würde und dafür eine eigene Industrie im Inland unterhalten würde, die dann bereit wäre den Bedarf zu decken. Gesundheitsprodukte sind in erster Linie ein sozialer Bedarf und erst in zweiter Linie ein Wirtschaftsprodukt.

Sicher wird manche Regierung darüber nachdenken und hoffentlich für die Zukunft vorsorgen.


*Eckhard Ernst Kupfer ist deutscher Journalist, Direktor des Martius-Staden-Instituts in São Paulo, Herausgeber der Jahrbücher des Instituts, Mitautor von “Fünf Jahrhunderte deutsch-brasilianische Beziehungen”, Kommentator der Radiosendung AHAI – Die deutsche Stunde der Gemeinden > Block 05 und Kolumnist bei www.brasilalemanha.com.br – Notícias.
E-Mail: ekupfer@martiusstaden.org.br
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